Aus dem Heimleben
Aus dem Heimleben

Tablettenvergiftung - Zwei Kinder aus dem Waisenhaus „Maria Luisa“ im Krankenhaus

Am 16.05. erlitten zwei Jugendliche aus dem Waisenhaus „Maria Luisa" eine Tablettenvergiftung. Beide werden in der Intensivstation der Universitätsklinik St. Georg behandelt. .

Laut Aussage des stellvertretenden Bürgermeisters Krasimir Angelov, hatten beide Kinder die Tabletten außerhalb des Heimes zu sich genommen. Er habe beide im Krankenhaus besucht, es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut, sie seien außer Lebensgefahr.

Laut dem Leiter der Intensivmedizin, Dr. Ivan Stoev, habe der Junge, Kostadin (16), zehn Tabletten, das Mädchen Fanka (14) drei Tabletten des Medikaments "Trileptal" eingenommen. Angeblich sollen beide dazu je halbe Flasche Bier zu sich genommen haben. Bei Trileptal handelt es sich um ein Medikament gegen epileptische Anfälle.  Die Folgen sind Schläfrigkeit, Schwindelgefühle, ein unsicherer Gang und ein unregelmäßiger Herzrhythmus. Auf Grund ähnlicher Symptome hätten sich Kostadin und Fanka am Sonntag Mittag selbst in der Klinik gemeldet und den Ärzten den Tablettenmissbrauch gestanden. Zu keinem Zeitpunkt, so Dr. Stoev habe eine Bedrohung für das Leben der beiden Jugendlichen bestanden.

Laut ihrer eigenen Aussage hatten beide Jugendliche Tante Nadia besucht, mit deren Enkel die Kinder sehr oft spielten. Tante Nadja wohnt in der Nähe und besuche das Heim sehr oft.  Leider hatte die ältere Frau, die selbst an Diabetes leidet und deren Tochter Epileptikerin ist,  es versäumt, ihre Medikamente für die Kinder unzugänglich aufzubewahren. "Sie wussten, dass ich sie immer auf dem Fensterbrett aufbewahrte und müssen gewartet haben, bis ich für einen Moment eingeschlafen war, um sie zu stehlen", sagte die Frau bulgarischen Reportern.

Unklar sind derzeit noch die Motive der beiden Jugendlichen. Jedoch steht das Verhalten von Kostadin möglicherweise in einem engen Zusammenhang mit einem Telefongespräch, das der Junge noch am Samstag mit seiner Mutter geführt haben soll. In diesem Gespräch soll Kostadin seiner Mutter, die seit langem in Deutschland arbeitet, mit Tränen in den Augen vorgeworfen haben, dass sie ihn nicht mehr liebe. Außerdem soll sie ihm in diesem Telefongespräch mitgeteilt haben, dass sie ihn nie geliebt habe und er nicht mehr ihr Sohn sei. Ähnliche Probleme spielten wohl auch bei Fanka eine Rolle, die im Heim lebt, weil ihre Mutter krank und nicht in der Lage ist, sich um das Mädchen zu kümmern. Beide Jugendliche, die eng miteinander befreundet sind,  fühlten sich in dieser Situation offensichtlich derart allein und im Stich gelassen, dass sie den Plan fassten, sich mit Tabletten zu vergiften.

Inzwischen wurde ein klinischer Psychologe hinzugezogen, um den Kindern zu helfen, ihr persönliches Drama zu überwinden.. In den ersten Gesprächen bestätigten die Kinder weitesgehend die oben genannten Motive und bedauerten ihr Verhalten.

Psychologen und Sozialarbeiter aus dem Gemeindeamt nahmen sofort Gespräche mit den anderen Kindern im Heim auf, um alle Umstände des Vorfalls zu klären. Gleichzeitig berieten die Vertreter der städtischen Verwaltung, der Polizei und der Abteilung für Kinderschutz über den Umgang mit dem Vorfall.

Heimleiterin Darina Kukeva, die von ihren Vorgesetzten die strikte Weisung erhielt, keinerlei Gespräche mit den Medien zu führen und die Kinder vor den Reportern abzuschirmen, wird nun von unseriösen Medienberichten beschuldigt, das Heim in eine Festung zu verwandeln. In einer Art Rachereaktion veröffentlichten nun einige Journalisten, die sich bisher nie oder nur selten für die Probleme der Heime und Heimkinder in Bulgarien interessiert haben, unkommentiert Aussagen, die behaupten, das Heim "Maria Luisa" gleiche einem Gefängnis. Solche Beiträge in einigen bulgarischen Medien sind wenig hilfreich, andere schlichtweg falsch und schlecht recherchiert. So geben einige unkommentiert die Meinungen von Anwohnern umliegender Wohnhäuser wieder, denen zuolge die Kinder zu wenig beaufsichtigt würden und das es ihrer Meinung nach an Kontrolle fehle. Auch ist in vielen Beiträgen von Drogen die Rede. Jedoch bestätigen Mediziner wie Apotheker, dass es sich bei "Trileptal" nicht um eine Droge handele, sondern um ein rezeptpflichtiges Medikament, das in hohen Dosen tödlich sein könne.

 Quellen: http://news.plovdiv24.bg / Darik News / Maritza / plovdvivmedia /
 

Foto

Das Krankenhaus "Heiliger Georg" in Plovdiv, in dem die Kinder versorgt werden