Aus dem Heimleben
Aus dem Heimleben

Lächelnde Tage - ein junger Erzieher und sein Blick auf das Heim Maria Luisa

Herr Kosarew, sie haben Sozialpädagogik studiert und arbeiten seit kurzem im Heim "Maria Luisa". Wollten Sie hier arbeiten?

M. Kosarew: Ja, ich wollte hier arbeiten. Denn jeder Student der Sozialpädagogik kennt inzwischen das Heim "Maria Luisa". Es bietet als Heim sehr gute Arbeitsbedingungen und erfüllt alle Voraussetzungen, die wir Erzieher für eine moderne Pädagogik brauchen. Ich gehe jeden Tag gerne auf Arbeit. Denn ich liebe diese Arbeit

Wie steht es denn um die neue Pädagogik im Heim "Maria Luisa"?

M. Kosarew: Nun, ich kann hier nur meine eigene Meinung wiedergeben. Ich glaube, dass die neuen, jungen Erzieher einen frischen Wind mitbringen. Wir haben aber auch viele ältere Kollegen, die viel Erfahrung haben. Eine solche Mischung ist eine gute Sache. Leider sind einige der älteren Kollegen sehr demotiviert. Was insgesamt fehlt, auch uns jungen, sind sicher praxisbezogene Qualifizierungen. Ich zum Beispiel interessiere mich sehr für einen Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und bulgarischen Pädagogen. Wie lösen meine Kollegen dort Probleme, die wir hier auch haben? Unabhängig davon gaube ich, dass das Potential, dass uns die Häuser hier bieten nicht ausgeschöpft wird, weil dies auch innerhalb des Heimes eine Neustrukturierung und mehr Eigenverantwortung der einzelnen Gruppenteams erfordern würde. Unsere Chefin bemüht sich sehr, aber auch sie kann gegen demotivierte ältere Kollegen wenig tun.

Gibt es einen Generationen-Konflikt unter den Erziehern?

M Kosarew: Nein, das würde ich so nicht sagen. Aber die Kommunikation des Teams untereinander ist verbesserungsfähig. Es gibt Kollegen, die reden nicht miteinander. Und das nicht nur, weil sie sich durch den Schichtbetrieb kaum sehen. Aber wie soll man Erziehungserfolge erzielen, wenn der eine Kollege nicht weiß wie der andere gerade mit einem konkreten Kind arbeitet, welches Ziel bei der Erziehung dieses Kindes gesetzt wurde und wie man es erreichen will. Wenn da nicht alle gemeinsam dran arbeiten, machen wir uns das Leben selber schwer.

Kommt da Hilfe aus Deutschland oder Frankreich?

M. Kosarew: Es stimmt, wir arbeiten eng mit dem deutschen "Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime" zusammen. Auch mit der französischen Hilfsorganisation "Bone Mine". Ich glaube die Ansätze beider Organisationen sind völlig anders und ergänzen sich daher sehr gut. Mir gefällt das, was die Deutschen machen, persönlich etwas besser, weil ich deren Hilfe als nachhaltiger empfinde. Die unterstützen halt Sachen, deren Effekte man erst langfristig spürt, die aber extrem wichtig sind. Sachen, an die hier in Bulgarien noch gar niemand denkt. Also die finanzieren praxisbezogenen Qualifizierungen, die kümmern sich bereits jetzt darum, was aus den Jugendlichen wird, wenn sie einmal das Heim verlassen. Ich kenne kein anderes Heim in Bulgarien, das solche Partner an der Seite hat. Unsere Französischen Freunde sind sehr engagiert, wenn es darum geht, den Kindern kurzfristige schöne Momente zu verschaffen. Deswegen sind sie bei manchem Kollegen vielleicht etwas beliebter, denn wenn Kinder nach Frankreich eingeladen werden, dürfen natürlich auch immer einige Betreuer mitfahren. Sie machen Feste, verteilen Geschenke. Es sind lächelnde Tage, wenn sie da sind. Aber es bleibt kaum etwas, wenn sie wieder fort sind.

Was würden Sie sich wünschen?

M. Kosarew: Das die deutschen und französischen Helfer noch enger zusammenarbeiten. Das wir selbst mehr dafür tun, dass sie uns helfen können. Das wir noch mutiger sind, wenn es um neue pädagogische Konzepte geht. Fragen Sie mal einen von meinen Kollegen, ob die etwas von Waldorf-Pädagigik oder Montessori wissen... Ich würde mir wünschen, dass wir uns noch mehr als bisher bemühen, den Kindern und Jugendlichen ständgig Angebote zu machen. Dass wir was mit ihnen unternehmen und nicht nur darauf achten, dass sie in ihrer Freizeit keinen Unfug anstellen. Dass wir unsere Heimleiterin stärker unterstützen und das es ihr mehr noch als bisher gelingt, Dinge zu delegieren und anderen zu vertrauen. Es ist in unserem Land wirklich nicht leicht, einen solchen Posten zu haben. Ich würde mir wünschen, dass Pädagogen, die mit den schwierigsten Kindern der Gesellschaft arbeiten, mehr verdienen, denn viele von uns haben zwei, manche drei Jobs, um ihre Familien ernähren zu können - wie soll sich da jemand auf einen Job richtig konzentrieren können.

Das Gespräch führte Mirko Schwanitz

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Noch immer zu seltenes Bild - Erzieher und Kinder beim gemeinsamen Spiel

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und die Kinder haben Spaß, wenn sich jemand mit ihnnen beschäftigt