
Aus dem Heimleben
"Ich hätte nicht geglaubt, das ich das kann..."- Holzwerkstatt im Heim Maria Luisa in Plovdiv nimmt ihre Arbeit auf
"Ich war ziemlich aufgeregt", erzählt Dimitar von seinem ersten Besuch in der vom Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime eingerichteten Holzwerkstatt. "Wir hatten ja schon mitbekommen, dass Herr Schwanitz mit Freunden da war und dass die irgendwas im Keller gemacht haben. Klar hatten wir auch schon heimlich geguckt und die Maschinen gesehen."
Wie ein Lauffeuer hatte sich unter den mehr als 80 Kindern herumgesprochen, dass ihr Heim eine Werkstatt bekommen sollte, in der sie lernen könnten, wie man mit Holz umgeht. "Wir waren völlig überrascht, dass sich so viele Kinder meldeten, die alle unbedingt in der neuen Werkstatt arbeiten wollten", sagt Heimleiterin Darina Kukeva. "Also müssen wir Wege und Möglichkeiten finden, denn mehr als fünf Kinder sollten aus Sicherheitsgründen nicht in der Werkstatt arbeiten. Selbst, wenn wir jeden Tag ein Angebot unterbreiten würden, könnten nicht alle Kinder an den Kursen teilnehmen."
Zunächst kommt ein ehemaliger Berufsausbilder für Tischler zweimal in der Woche für zwei Stunden in das Heim, um mit einigen Kindern in der Werkstatt zu arbeiten. Ein Erzieher wird dann an zwei anderen Tagen einigen Jugendlichen am Nachmittag eine Freizeitbeschäftigung anbieten. In Zukunft soll dann an einem weiteren Tag in der Woche speziell mit den Jugendlichen gearbeitet werden, die sich als besonders talentiert erweisen. "Diese Jugendlichen haben dann auch die Chance Praktika in Holzbetrieben in Plovdiv zu machen und später eventuell dort eine feste Anstellung zu bekommen", erklärt der Vorsitzende des deutschen Vereins, Mirko Schwanitz, ein Ziele des Projektes.
Das Heim hatte zunächst eine Gruppe aus Kindern zusammengestellt, von denen einige erhebliche Lernschwierigkeiten haben, um zu beobachten, wie sich die praktische und kreative Arbeit auf deren Verhalten auswirkt. "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das kann", sagte denn auch einer der Jungen. "Aber es ist toll über das glatte Holz zu fahren, wenn es mit diesem Ding das, diesem - wie heißt das doch, also diesem Hobel, bearbeitet hat."
Erste Ergebnisse sollen in drei Monaten zusammengefasst werden, um die Nutzung der Holzwerkstatt aus pädagogischer Sicht weiter zu professionalisieren.

In dieser Holzwerkstatt im Heim Maria Luisa begann am 15. März 2012 die Ausbildung für die ersten fünf Jugendlichen.

Der Ausbilder, dessen Arbeit von einer bulgarischen Nichtregierungsorganisation finanziert wird, machte die Kinder zunächst mit den Eigenschaften von Holz vertraut

...aber natürlich brannten die Jungen darauf auch mal selbst Hand anzulegen. Der Hobel stellte sie dann vor die erste Herausforderung

"Es ist schön, über das glatte Holz zu fahren und zu sehen, wie sich das verändert", sagte dieser Junge nach seinen ersten Hobel-Stößen

Aber auch anderes will gelernt sein - wie zeichnet man etwas an....

... und wie muss eine Säge geführt werden...

... mit Spannung beobachten die Jugendlichen, die Lehrvorführung an der Dekupiersäge.






"Ich hätte nicht geglaubt, das ich das kann..."- Holzwerkstatt im Heim…

…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.