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Interessant und erfolgreich - die Patenreise 2008

Vom Flughafen wurden wir vom Vereinsvorsitzenden höchstpersönlich durch ein herbstliches Bulgarien chauffiert, dass sich vor der Frontscheibe unseres Minbusses von seiner schönsten Seite zeigte - vor uns die Berge des Sredna Gora-Gebirges Foto: Ursula Bürgel

Unweit von Panagyurishte, der Kleinstadt, in dem sich eines der von uns betreuten Kinderheime befindet, liegt das kleine Kurörtchen Streltsha. Die Patenschaftsbeauftragte des Vereins, Dora Stütz, hatte dieses zauberhafte Hotel für uns ausgesucht. Foto: Ursula Bürgel

Noch am Abend führte uns ein Spaziergang durch den Ort, in dem die Luft würzig nach Holzfeuern roch. Gleich hinter dem Hotel liegt die Kirche. Sie soll einst direkt über einer Quelle errichtet worden sein. Heute jedoch gibt es die Quelle nicht mehr. Ein Erdbeben ließ sie schon vor mehr als 100 Jahren versiegen. Foto: U. Bürgel

Dieses Schaufenster trug zur allgemeinen Erheiterung bei. Ob sich auf diesem Besen zu Walpurgis wohl reiten ließe? In Streltsha ist die Gestaltung eines Schaufensters nicht von großer Bedeutung. Die Leute haben nicht viel Geld. Viel wichtiger sind hier immer noch die praktischen Dinge des Lebens - und einen Besen braucht man hier immer - auch wenn er nicht fliegt...

Wer angesichts der Schaufenster glaubte, die neue Zeit sei noch nicht in dieses verträumte Örtchen im Sredna Gora-Gebirge vorgedrungen, sah sich spätestens angesichts solcher Schilder eines Besseren belehrt. Auf neuen, mit Mitteln der EU rekonstruierten Gässchen rollen nun...

... die schnittigen Fahrzeuge der fleißigen Streltshaer Bewohner, die am Abend unseres Eintreffens fast alle damit beschäftigt waren, die Holzvorräte für den Winter aufzustocken....

... oder die Ziegen heim ins traute Heim zu holen. Keine leichte Arbeit für dieses Großmütterchen. Die Ziegen, von Natur aus neugierig mussten uns Neuankömmlinge erst mal in Ruhe beäugen - die haben wir hier ja noch nie gesehen! Fotos: U. Bürgel

Sonntag 12. Oktober: Als die letzten aufstanden hatten einige schon ihren Morgenspaziergang hinter sich. Nach dem Frühstück ging es vor die Tore der Stadt - dort verkündet ein großes Schild den Weg zum "Thrakischen Grabmal", das uns von einer Frau aufgeschlossen wurde, deren Familie nebenan ihre kleine Plantage hat. Im thrakischen Grabmahl von Sreltsha wurde einst wohl ein Fürst mit seinem Streitwagen begraben. Um die Anlage gab es einen breiten Wassergraben, aus dessen Resten uns fröhliche Frösche anquakten

Wir hatten Mitte Oktober und hier kletterte das Thermometer noch auf 25 Grad. Nur gut, dass es in Bulgarien an fast jeder Ecke solch bezaubernde Brunnen gibt. Und was das Beste ist - aus den meisten fließt bestes Mineralwasser. Foto: U. Bürgel

Nach dem Besuch im Thrakischen Grabmal erreichte uns die Nachricht, dass der Bürgermeister angerufen habe und angewiesen habe, dass für uns extra das Museum von Streltsha geöffnet werde. Hier befinden sich ein Teil der im Thrakischen Grabmal gemachten Funde. Freundlich wurden wir von der Führerin durch die kleine Ausstellung unweit des Hotels geleitet. Und Dank der vorzüglichen Übersetzung unserer lieben Dora verstanden wir sogar alles. Mehr noch: Dora mit ihrem unschätzbaren Wissen über die Archäologie ihrer Heimat bereicherte die Führung für alle außerordentlich. Draußen stießen wir dann zwar nicht auf thrakische, doch aber auf deutsche Spuren in Streltsha... Foto: U. BÜrgel

Gegen Mittag fuhren wir dann tief hinein ins Sredna Gora-Gebirge. Hier liegt, weit oben in einem Tal Bulgariens höchstgelegene Stadt: Koprivshtiza. Für die meisten Bulgaren hat der Name dieser Stadt einen bseonderen Klang. Hier brach im April 1876 ein Aufstand aus, der den Anfang vom Ende der Osmanischen Herrschaft bedeuten sollte, auch wenn er damals von den Osmanen blutig niedergeschlagen wurde. Wir alle waren von dem pittoresken denkmalgeschützen Bauensemble fasziniert. Foto: U.Bürgel

Mitten durch den Ort schlängelt sich ein kleines Flüsschen. Wie in jedem demokratischen Verein, machte das erst mal eine "Abstimmung" notwendig - auf welcher Seite des Flusses soll das Mittagsmahl eingenommen werden? Foto: U.Bürgel

...die Häuser in Koprivshtiza stehen alle für eine bestimmte Architektur, wie es sie sonst kein zweites Mal in Europa gibt. Die Architekten der sogenannten Wiedergeburtszeit ließen sich von europäischen und osmanischen Einflüssen gleichermaßen inspirieren....

....wir standen nur sprachlos vor der Harmonie, die diese Häuser ausstrahlen und versuchten uns vorzustellen, wie das Leben in diesen Häusern wohl einst gewesen sein mag....

... und freuten uns darüber, wie sehr diese Häuser sich hier harmonisch in die Landschaft einfügten. Koprivshtiza wurde von Bojaren gegründet, die einst aus der Hauptstadt des ersten Bulgarischen Reiches, Veliko Tarnovo, flohen, als die in Osmanische Hände fiel. Hier oben auf dem abgeschiedenen Hochplateau züchteten sie u.a. Schafe und belieferten das türkische Heer - ein einträgliches Geschäft, wie die alten Fassaden erzählen....

...groß waren die Familien einst und zahlreich die Gäste. Das wurde uns spätestens beim Anblick dieser bezaubernden Ottomane bewusst. Wie sich wohl das Kindchen angesichts der zahlreichen Augen, die damals in die Wiege geschaut haben müssen, gefühlt haben mag....

...doch aller Reichtum ist so vergänglich wie die Jugend. Auch in Koprivshtiza leben heute mehr Alte als Junge. Wer kann, zieht weg, denn Arbeit gibt es hier nur wenig. Immerhin, lässt der in den letzten Jahren wieder zunehmende Tourismus, die Einwohner wieder auf mehr Einnahmen hoffen. Und vielleicht sehen darin auch junge Leute wieder ihre Chance. Foto: U. Bürgel

... viele der alten Frauen, denen wir auf unserer Reise begegneten, tragen Schwarz, was nicht unbedingt heißt, dass sie ständig in Trauer sind. Im Gegenteil, so manches Großmütterchen ist äußerst schlagfertig und hat immer einen Witz auf den Lippen... Foto: U. Bürgel

In der Abendsonne schlenderten wir durch die stillen Gassen, bevor wir zufrieden zurück fuhren nach Streltsha. Foto: U.Bürgel

Montag 13.10. An diesem Tag hieß es schon früh aufstehen. Während Birgit Ossenkamp und Ursula Bürgel zwei kranke Kinder in Streltsha besuchten, um eine mögliche Hilfe zu prüfen, fuhren die anderen bereits ins Heim Pavel Babekov, von dem hier die Rückseite zu sehen ist.

Was uns bei unserer Ankunft besonders freute, war der Anblick des Landwirtschaftsprojektes. Die gepflanzten Obstbäumchen hatten die Dürre im Sommer leidlich überstanden. Und die im Frühjahr noch völlig verkrautete Restfläche war frisch gepflügt.

Während wir uns im Heim umsahen, besprachen Vereinsvorsitzender Mirko Schwanitz und Patenschaftsbeauftrage Dora Stütz gemeinsam mit dem Agrarausbilder und dem neuen Heimleiter sofort die drängendsten Probleme (v.l.n.r.) Foto: U.Bürgel

Drinnen wartete die Berufsausbilderin in der Schneiderei schon ungeduldig vor allem auf Dieter Mathies, der bei der Planung der Werkstatt mit Rat und Tat geholfen hatte. Heute sollte er die Werkstatt also zum ersten Mal sehen und war genauso begeistert wie alle anderen aus unserem Team - denn die Schneiderei ist wirklich ein praktisches Schmuckstück geworden. Foto: U. Bürgel

Auf dem großen Arbeitstisch lagen bereits vorbereitete Stücke, an denen die Jugendlichen in dieser Woche weiterarbeiten sollten. Die Werkstatt vermittelte allen den Eindruck, dass die Ausbildung die "Zügel" fest in der Hand hält und ihre "Azubis" auch zu Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz erzieht. Foto: U. Bürgel

Anelja hat schon eine Menge gelernt. Sie wird im kommenden Jahr ihr Abitur machen und sich zum Abiball ihr eigenes Festkleid nähen. Foto: U. Bürgel

Am späten Nachmittag waren wir bereits in Plovdiv und unternahmen hier einen ersten Spaziergang. Was uns auffiel, die Fußgängerzone war endlich fertiggestellt - kein Stolpern mehr und keine Gefahr für all die Pfennigabsatz tragenden bulgarischen Frauen.... Foto: U.Bürgel

Die vielen unterschiedlichen Plastiken verleihen der Fußgängerzone einen ganz eigenen Charakter. In ihrer Gesellschaft fühlen sich diese beiden jungen Straßenmusikanten mit ihrer Kunst gut aufgehoben. Foto: U. Bürgel

Vor zwei Jahren befand sich in diesem hölzernen Anbau der alten Plovdiver Moschee noch ein lautes Café. Heute präsentiert sich die Moschee - Dank eine Million Euro aus der Türkei - in rekonstruiertem Zustand. Nun kann das Gotteshaus auch wieder von den in der Stadt lebenden Muslimen als Gebetsstätte benutzt werden.

Auch auf dieser Reise führte uns der Weg ins Balabanov-Haus. Mariana Gamiziva, die deutsche Stadtführerin von Plovdiv und treue Mithelferin unseres Vereins führte einige von uns erneut durch "ihr" Domizil.... Foto: U. Bürgel

Die türkische Moschee im Zentrum der Stadt ist nicht das einzige Baudenkmal, das an die Zeit unter osmanischer Herrschaft oder das "osmanische Joch", wie viele Bulgaren diese Zeit auch nennen. Wen immer es zu "unserem" Kinderheim treibt, der muss am ehemaligen türkischen Bad vorbei. Das dient heute als magischer Ort für Kunstausstellungen. Foto: U. Bürgel

Eigentlich konnten wir dem Wettergott nur danken, dass er uns einen Altweibersommer bescherte, wie er nur in den besten Bildbänden vorkommt. Hier das malerische kleine Gässchen, in dem unser Hotel lag. Im übrigen: In Bulgarien heisst diese Jahreszeit - Zigeunersommer. Foto: U. Bürgel

Nun ja, wie immer bei unseren Reisen geht es spät ins Bett. Was kein Wunder ist, Dieter Mathies und Thomas Schmiedecke und Katrin Latz erbeiten oft bis 19 Uhr, danach wurde im Restaurant "Stari Plovdiv" gegessen und dann bei einem Abendspaziergang verdaut, was sich am Tag in der Seele und nach dem Essen im Bauch angesammelt hatte. Hier, am ausgegrabenen Amphitheater, in dem immer wieder auch wunderbare Konzerte stattfinden, nahmen einige von uns gern noch einen "Absacker". Foto: U. Bürgel

Donnerstag 16.10.2008 An diesem Tag fuhren wir ins nahe Plovdiv gelegene Batschkovo-Kloster. Wir nahmen den 10 Uhr Bus. Ankunft also zu einer Zeit, da auf der leicht ansteigenden Straße zum Kloster noch nicht viel Betrieb ist. Hier, an dieser blauen Pforte befindet sich die Grenze für jene "weltliche" Sünden, die sich ......

... nur wenige Meter davor unseren Augen darboten. Bei soviel Leckereien fällt es wirklich schwer, standhaft zu bleiben - ehrlich: keiner von uns hat das wirklich geschafft. Die einen packten Eingemachtes, in Öl gesottenes, in Honig eingelegtes oder gar Kiloweise getrocknete Steinpilze in ihre Taschen ....

...andere taten lieber etwas für ihre Gesundheit und ließen sich von den zahlreichen Gebirgstees zum Kauf verleiten. Fotos: U. Bürgel

Im kleinen Kirchlein von Batschkovo ist von der reichen Bemalung der Decken und Wände vor lauter Kerzenruß kaum noch etwas zu sehen. Dafür bewunderten wir um so mehr die Wandgemälde im benachbarten ehemaligen Speisesaal der Mönche. Foto: U. Bürgel

Wer hier wohl Briefe einsteckt? Und wohin die wohl gehen? Vielleicht gibt es hier ja tatsächlich einen direkten Draht zu Gott.... Foto: U. Bürgel

Wer aus dem Tor des Klosters tritt, dem öffnet sich ein malerischer Blick auf einen Teil der Rhodpoen. Die Mönche schienen schon immer zu wissen, wo es am schönsten ist. Foto: U. Bürgel

Seltene Zeit für Müßiggang vor dem Mittagsmahl. Dieter Mathies, Mirko Schwanitz, Katrin Latz und Thomas Schmiedecke im Gespräch. Foto: U. Bürgel

Bevor Bulgariens leckere Paprikaschoten zum noch leckereren Ljuteniza verarbeitet werden kann, müssen die Schoten leicht gegrillt werden. So lässt sich ihnen leichter die "Haut vom Leibe" ziehen, bevor die Schoten dann mit weiteren Zutaten zu einer schmackhaften würzigen Paste verarbeitet werden. Jede bulgarische Familie hat dafür ihr eigenes Geheimrezept.... Foto: U. Bürgel

Sonnensucher. Kurz vor der Rückfahrt nach Plovdiv genossen noch einmal alle Wärme und das außergewöhnliche Licht. Thomas Schmiedecke, Katrin Latz, Mimi Marinova (vom holländischen Hilfsverein "Maria Luisa", Dieter Mathies und Mirko Schwanitz (v.l.n.r.) Foto: U. Bürgel

Freitag 17.10.2008 Am letzten Tag unseres Aufenthaltes nutzten wir noch einmal den letzten Abend für einen Gang durch die engen Gassen der wunderschönen Altstadt. Immer wieder bieten sich hier interessante Perspektiven. Schön, dass inzwischen weitere alte Häuser renoviert wurden. Foto: U. Bürgel

Eines der interessantesten und wegen seiner wellenförmigen Dachkonstruktion schönsten Gebäude der Plovdiver Altstadt ist das Ethnografische Museum. Einen Besuch können wir jedem empfehlen, der sich selbst einmal aufmachen möchte in eine der ältesten Städte Europas. Foto: U. Bürgel

Wo immer man durch die buckligen kopfsteingepflasterten Gassen schlendert (oder stolpert) trifft man auf wahre Schmuckstücke im Architekturstil der bulgarischen Wiedergeburtszeit. Foto: U. Bürgel

Mit diesem Denkmal verewigte ein Plodiver Künstler ein stadtbekanntes, leider längst verstorbenes Plovdiver Original, genau an jenem Platz, an dem dieser Mann stets anzutreffen war. Foto: U. Bürgel

Wer vom Türkischen Bad her kommende vn der Hauptstraße abbiegt, stößt bald auf die kleine Kreuzung, an der das Heim "Maria Luisa" liegt. Und wer lange nicht hier war, wird sich wundern, denn längst präsentiert sich der alte, einst verfallene Speisesaal in einem neuen freundlichen Anstrich. Foto: U. Bürgel

Trotz zahlreicher Termine und jeder Menge Stress fanden Patenschaftsbeauftragte "Tantchen" Dora Stütz und der Vereinsvorsitzende Mirko Schwanitz immer Zeit für eine liebevolle Umarmung und körperlicher Nähe zu den Kindern im Heim. Foto: U. Bürgel

Neben all den offiziellen Gesprächen, die notwendig sind, um die Unterstützung des Heimes "Maria Luisa" zu organisieren und zahlreiche Projekte am "laufen" zu halten, so hat eines doch bereits Tradition: die Gespräche des Vereinsvorstandes mit dem Pädagogen-Team. Hier werden Wünsche geäußertes, kritisch diskutiert, neue Projekte besprochen. Foto: U. Bürgel

... und während die einen neue Projekte besprechen, genießen die anderen die "Computerzeit". Der Computersaal im Heim "Maria Luisa" ist während seiner Öfnungszeiten Hauptanziehungspunkt für die kleinen und "großen" Kinder ...

... es gibt aber auch Kinder, die hält nichts vor den Computern, wenn am Abend die Musiklehrerin noch einmal vorbeischaut. Wenn sie sich ans Klavier setzt und einfach zu spielen beginnt, dann dauert es nicht lange....

... und um sie herum hat sich eine Schar von tanzenden und singenden Kindern versammelt....

Für die kurzfristig aus Silistra zu uns gestoßene Französisch-Lehrerin Katrin Latz aus dem Saarland, war die Begegnung mit uns und den Kindern eine Erfahrung, die sie, wie sie selbst sagt, nicht vergessen wird. Und vielleicht haben wir ja nun eine Untersützerin mehr im Saarland. Foto: U. Bürgel






Interessant und erfolgreich - die Patenreise 2008



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.