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Art-Therapie-Projekt feiert einjähriges Bestehen
Für Lucy Oakshott war es eine ganz besondere Reise. Gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime besuchte sie erstmalig Bulgarien und es sollte sich herausstellen, dass es eine Reise war, die ihr das Land und insbesondere die Probleme seiner Kinder sehr nahe bringen würde. Besonders beindruckt war die junge,aus Neuseeland stammende Frau, von ihrem Besuch im Kinderheim "Maria Luisa". Und schon bald stand auch für sie fest: Sie möchte diesen Kindern helfen.
So blieb die Reise nicht ohne Folgen. Nach Gesprächen mit Kindern und der Heimleiterin entschied Lucy, die längere Zeit für UNICEF gearbeitet hatte, dass sie gern ein Art-Therapie-Projekt finanzieren würde - ein Projekt, das seitdem maßgeblich dazu beiträgt, vielen Kindern im Heim psychische Stabilität und Lebens-Balance wiederzugeben. Für die Teilnahme am Projekt werden vor allem hyperaktive Kinder ausgewählt., erklärt Heimleiterin Darina Kukeva. Es sei erwiesen, dass die Arbeit in dem Projekt diese Kinder zur Ruhe und Konzentration bringe.
Wie die Kunstherapeutin erklärt, sei Malen dabei eigentlich nur der Rahmen für eine bestimmte Form der Erziehungsarbeit. So gehe es bei der Therapie u.a. darum, die Kinder mit menschlichen Charaktereigenschaften und Möglichkeiten vertraut zu machen, diese zu erkennen. Alle Kinder, so die Therapeutin, beginnen mit großen Konzentrationsschwierigkeiten. Auch zeige sich gerade zu Beginn stets die seelische Verfassung der Kinder. Die meisten würden zunächst zu dunklen Farben greifen, seien sehr unsicher bei der Wahl der Malutensilien und hätten Angst vor der Arbeit mit neuen Materialien.
Doch im Laufe des Projektes zeige sich, dass mit jeder Stunde, die die Kinder an der Therapie teilnehmen, die Sicherheit der Kinder wachse, dass sie zunehmend in der Lage seien, sich „fremde Räume“ zu erobern. Schon nach zwei, drei Besuchen beginnen sie, ihren Arbeitsplatz an der Staffelei selbstständig vorzubereiten, die Malutensilien automatisch zu ordnen und auf eine neue Aufgabe zu warten.
Im Laufe der Therapie beginnen die Kindern dann immer öfter zu helleren Farben zu greifen. Beim späteren Übergang von der Malerei zur Grafik dokumentiere sich diese neue, freundlichere Sicht auf ihre Umwelt bereits ziemlich deutlich. So griffen viele Kinder immer wieder statt zu der bei der Grafik notwendigen dunklen Farbe zu bunten Tönen. Plötzlich entstehe bei vielen Kindern eine Mischtechnik – für die Pädagogen und Therapeutin ein sicheres Zeichen, dass sich in der Seele der Kindern etwas zu verändern beginne. Die Therapeutin hat in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet, stellt auch Heimleiterin Darina Kukeva fest.
Jede Stunde beginnt zunächst mit keramischen oder Tonarbeiten, da dieses Material den Kindern die Möglichkeit bietet, ihre Aggressionen und Energie in das Material zu bringen. Gleichzeitig aber fordert dieses Material von ihnen, ihre Aggressionen,ihre Energie zu steuern. So setze automatisch ein Prozess der Konzentration ein. Sobald dieser Punkt erreicht ist, beginnt die Therapeutin mit ihrer eigentlichen Arbeit.
Nach etwa einem Jahr bemerke sie eine zunehmende Form von Selbstdisziplinierung und Solidarität gerade bei den Heimkindern, erzählt die Therapeutin aus ihrer Arbeit. Sehr oft ginge die Arbeit an einzelnen Bildern inzwischen in eine Form von Gruppenarbeit über. Kinder die mit ihrer Arbeit bereits fertig sind, helfen anderen. Das sei etwas, dass sie nur bei Heimkindern beobachte, nicht bei "normalen" Schulkindern, für die sie auch diese Therapie anbiete.
Inzwischen sei auch die künstlerische Qualität und der Ausdruck der Malereien der Kinder beeindruckend, schon bald soll deshalb mit einer neuen Technik, der Glasmalerei begonnen werden.
Das Heim, die Kinder und der Verein sind Lucy Oakshott außerordentlich dankbar für ihre Hilfe und Unterstützung, die dieses Projekt erst ermöglichte.
Der deutsche Verein bemüht sich auf seine Weise, das Projekt ebenfalls zu fördern. Vermittelt von einer Patin des Vereins nahmen einige Arbeiten der Kinder aus dem Projekt im Rahmen der MIT-Initiative des Henkelkonzerns an einem Malwettbewerb teil. Der Henkel-Konzern unterstützt in der MIT-Initiative mehr als 150 Kinderprojekte in aller Welt, in denen sich Mitarbeiter des Konzerns ehrenamtlich engagieren. Aus diesen Projekten wurden 653 Bilder eingesandt. Gemeinsam mit Kindern aus Japan, Tschechien und Russland, war dann der 9jährige Christos aus dem Heim "Maria Luisa" mit seinem Bild: "Mein schönster Tag im Jahr - der Start in die Ferien" einer der Gewinner des Wetbewerbs in der Altersgruppe 7-8 Jahre. Der Gewinn war mit 300 Euro dotiert und wurde als Spende an den Verein überwiesen.
Der Verein erhöhte diesen Betrag um 700 Euro und übergab den Kindern am Internationalen Kindertag insgesamt eine Spende von 1000 Euro. Das Geld soll nun je zur Hälfte zur Fortführung des Projektes von Lucy Oakshott und zur Hälfte in die Einrichtung eines neuen Psychologie-Kabinetts fließen. Christo hatte mit seinem Bild auf ganz eigene Weise zu dieser Spende beigetragen.

Mit Freude gehen die Kinder einmal wöchentlich zur Kunsttherapie. Die meisten bereiten inzwischen ihren Arbeitsplatz selbstständig vor und warten dann gespannt auf die Aufgaben, die ihnen die Therapeutin diesmal stellen wird

Viele der teilnehmenden Kinder sind hyperaktiv - so wie dieser Junge. Doch sobald er vor einem Blatt Papier sitzt wird er ruhig und still und lässt seiner Kreativität freien Lauf

Andere Kinder tragen schwer an der Trennung von den Eltern - die Therapie hilft ihren Gefühlen wieder in eine Balance

Schon bald greifen die meisten Kinder statt zu dunklen zu hellen und freundlichen Farben

Am Ende jeder Projekteinheit gibt es eine kleine Auswertung der Arbeiten

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt - diese Kinder freuen sich bereits auf die nächste "Malstunde"






Art-Therapie-Projekt feiert einjähriges Bestehen



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.