
News
Rundbrief 1/2007
Liebe Mitglieder, Paten, Sponsoren, Spender und Freunde,
wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen und es ist nun schon Tradition, dass wir Ihnen berichten, wie es den Kindern in den Heimen „Maria Luisa“ in Plovdiv und im Heim „Pavel Babekov“ in Panagyurishte geht und wie sich ihr Leben in diesem Jahr Dank Ihrer Hilfe geändert hat.
Elenas Rede und Dieters Urteil
Im Herbst nahmen wir Elena zum ersten Mal richtig wahr. Bisher hatte sie allenfalls etwas gesagt, wenn wir sie angesprochen hatten. Diesmal war es anders. Elena saß uns gegenüber und hielt ihre erste Rede: Wie sehr sie sich bemühten, ihre Häuser, in denen nun nur noch je 12 Kinder leben, sauber zu halten. Wie sie den neu angelegten Garten pflegen und dass alle irgendwie das Gefühl haben, in einem ganz besonderen Heim zu leben. Einem Heim, in dem sie sich so wohl fühlten, dass viele Kinder überredet werden müssten, am Wochenende zu ihren Verwandten zu fahren. Wir trauten unseren Augen kaum – aus der stillen, zurückhaltenden Elena war eine selbstbewusste 14jährige Schönheit geworden. Mehr noch, die Kinder hatten sie in jenen Kinderbeirat gewählt, der uns nun gegenübersaß. Seit 2006 entscheidet er als eine Art Kinderparlament mit darüber, was im Heim Maria Luisa geschieht. „Hätten Sie sich vorstellen können, dass es hier einmal so etwas geben würde?“, fragte Elena uns. „Ein Kinderparlament im Maria Luisa?“ Nein, das hatte sich noch vor einigen Jahren niemand von uns vorstellen können…
Es war einer jener Momente, den wir gern mit Ihnen allen geteilt hätten. Dieter Mathies, Malermeister aus Berlin, Pate von vier Kindern und einer unserer unermüdlichsten Helfer, fasste ihn später so zusammen: „Ich bin überwältigt. Wenn ich es nicht selbst erleben würde, hätte ich nie geglaubt, dass unser kleiner Verein in so wenigen Jahren das Leben so vieler Kinder verändern kann. Mir ist warm ums Herz, weil ich auf dieser Reise die Früchte an dem Baum sehe, den ich selbst mit gepflanzt habe.“
Ein Briefkasten als Psychologe
Schon bei einer unserer letzten Reisen hatten zwei Mädchen einen Wunsch geäußert: „Können wir einen Briefkasten an unserem Haus haben?“ „Warum wollt ihr einen Briefkasten? Ihr bekommt Eure Post doch von der Heimleitung?“ „Das ist nicht dasselbe“, antwortete eines der Mädchen. „Sie haben doch auch einen Briefkasten? Zuhause ist, wenn man einen Briefkasten hat, an dem der eigene Name steht. Zuhause ist auch, wenn man einen Schlüssel besitzt zu einer Tür, hinter der man zu Hause ist.“ Kaum ein anderes Gespräch verdeutlichte uns mehr, dass die Kinder die neuen Häuser wirklich als ihr Zuhause anzunehmen beginnen. Die Briefe Ihrer Paten selbst aus dem Briefkasten holen zu können, „so wie normale Kinder mit Familien auch“, ist ihnen offensichtlich sehr wichtig. Und wir lernten: Selbst ein Briefkasten spielt für die Seelen dieser geschundenen Kinder eine wichtige psychologische Rolle. Seit November 07 haben nun alle Häuser einen Briefkasten. Jetzt ahnen Sie sicher, wohin der erste Weg nach der Schule führt. Und die Hausschlüssel? Über die wird noch diskutiert…
Zuhause ist, wo es Frühstück und Abendbrot gibt
Zum ersten Mal startete in diesem Jahr im Haus der 14- bis 18jährigen Mädchen ein befristetes Projekt: Eine Woche lang wurden Frühstück und Abendbrot nicht mehr im Speisesaal von den Küchenfrauen zubereitet. Die Mädchen gingen selbst einkaufen, deckten morgens und abends den Tisch und aßen gemeinsam – wie in einer Familie. Am liebsten wäre es den Mädchen gewesen, es hätte so bleiben können. Doch das ist zunächst aus finanziellen Gründen nicht möglich. Aber - das Projekt brachte die Erkenntnis: Wenn jede Gruppe über ein Budget verfügt und pro Haus ein Erzieher mehr zur Verfügung steht, könnte dies bald Alltag im Heim sein. Nun wollen wir dieses Projekt mit allen Gruppen gleichzeitig erproben. Eine Woche lang sollen sie für ihr Frühstück und Abendbrot selbst sorgen. Die Behörden sollen überzeugt werden, dass es sich lohnt, das Personal aufzustocken, um wirklich eine „familienähnliche“ Unterbringung zu gewährleisten. Wer dieses Projekt mit einer Spende unterstützen möchte, kann das unter dem Stichwort „Frühstück“ tun. Kostenpunkt eines solchen auf zunächst eine Woche befristeten Projekts, an dem ca. 100 Kinder teilnehmen: 1600 Euro. Allen, die hier helfen schon jetzt ein großes – DANKE!
Der Heimfrisiersalon
Mit Freude hat der Vorstand in diesem Jahr zur Kenntnis genommen, dass die Kinder ihre Freizeit immer aktiver selbst gestalten und darin von ihren Erziehern bestärkt werden. So startete eine Gruppe ein Projekt, in dem eine Friseurausbilderin den Jugendlichen die Grundhandgriffe des Frisierens beibrachte. Daraus wurde so etwas wie ein Heimfrisiersalon, in dem Kinder andere Heimkinder perfekt und mit Freude frisieren - natürlich kostenlos. Auch dieses Projekt – konnte Dank des Patenschaftsprogramms realisiert werden. Ihnen, liebe Patinnen und Paten sei für Ihre Unterstützung herzlichst gedankt.
Die erste eigene Ernte…
… brauchte ihre Zeit. Vor einiger Zeit wandte sich die Kinderbuchautorin Annette Langen („Felix auf Weltreise“) mit der Bitte an uns, doch auch dem Kinderheim „Pavel Babekov“ in Panagyurishte zu helfen. Hier leben 58 Kinder unter unvorstellbar schlechten Bedingungen. Mit einer Spende von „Universum- Film“ und nach anderthalb Jahren gründlicher Vorbereitung starteten in diesem Jahr zwei Berufsausbildungsprojekte. In dem ersten erhalten die Jugendlichen eine landwirtschaftliche Ausbildung, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich steigern wird. Auf einer insgesamt 1,5 Hektar großen Fläche wurden auf 500 m² Kartoffeln, auf 200 m² grüne Bohnen, Tomaten und Zucchini sowie die ersten 33 Obstbäume gepflanzt. Die verbleibende Fläche wurde zur weiteren Bepflanzung fürs kommende Jahr vorbereitet. Im Herbst wurden nun unter großer Anteilnahme die ersten 15 Zentner Kartoffeln geerntet. Die Gemeinde wird dafür sorgen, dass die Kinder im kommenden Jahr erstmals einen Teil ihrer Ernte auf dem Markt der Stadt verkaufen können. Ziel des Projektes ist nicht nur eine berufsvorbereitende Ausbildung, sondern auch eine Verbesserung der Versorgung des Heimes.
Die erste selbst genähte Hose
... werden die Kinder von Panagyurishte vielleicht schon bald tragen. Die Spende von Universum-Film ermöglichte auch die Einrichtung einer Nähausbildungswerkstatt, die im Januar 2008 ihren Betrieb aufnehmen wird. In einer zweijährigen praktischen und theoretischen Ausbildung sollen Mädchen und Jungen Grundbegriffe des Zuschneidens, der Nähtechnik und des Modedesigns erlernen. Ziel ist es, ihnen bessere Chancen auf einen Beruf in der bulgarischen Textilindustrie zu eröffnen. Insgesamt wurden zwei Arbeitsplätze für qualifizierte Berufsausbilder geschaffen. Die Gemeinde erklärte sich bereit, die Sozialversicherung für die beiden Ausbilder zu bezahlen und dem landwirtschaftlichen Projekt einen Berater zur Seite zu stellen.
Website mit Problemen
Dass uns unsere Website so viel Bauchscherzen bereiten würde, hätten wir nie für möglich gehalten. Seit Oktober können hier nun endlich Informationen über alle Projekte des Vereins abgerufen werden. Bis zum Frühjahr soll sich die Seite, dann in völlig neuem Design präsentieren.
2008 – Das Jahr der wichtigsten Herausforderung
Mit Ihrer Hilfe wurden in den letzten zehn Jahren die Lebensbedingungen der Kinder und die Arbeitsbedingungen der Erzieher des Heimes „Maria Luisa“ entscheidend verbessert. Nun stehen wir vor dem letzten und einem sehr bedeutenden Schritt: den Kindern und Jugendlichen eine Perspektive für die Zukunft zu sichern! Im kommenden Jahr soll der Startschuss für den Bau des lange geplanten Ausbildungs- und Therapiezentrums fallen.
Hier sollen Jugendliche eine Berufsausbildung erhalten und das selbstständige und eigenverantwortliche Leben in einer Trainingswohnung erlernen. Zugleich sollten die Berufsausbildungswerkstätten Mittel erwirtschaften, um das Heimbudget aufzustocken. Parallel dazu wird das Zentrum die kontinuierliche Qualifizierung des heimpädagogischen Personals und die fortlaufende psychologische Betreuung und Therapie traumatisierter und sexuell missbrauchter Heimkinder sicherstellen.
Aus diesem Grund konzentrierte der Vorstand im zurückliegenden Jahr seine ganze Kraft darauf, die Pläne und erste detaillierte Kostenkalkulationen zu erarbeiten.
Diese wurden bei mehreren Reisen mit Fachexperten der Gemeinde abgestimmt. Als besonders wichtig sollte sich erweisen, dass der Vorstand rechtzeitig Kontakte zu jenen politischen Kräften knüpfte, die als Sieger der jüngsten Kommunalwahlen fortan die Geschicke der Gemeinde Plovdiv bestimmen werden. Im Frühjahr 2008 wird der neue Gemeinderat von Plovdiv einen „Beschluss über die Förderung eines Pilotprojektes zur Errichtung eines landesweiten Ausbildungs- und Therapiezentrums auf dem Territorium der Gemeinde Plovdiv“ treffen. Darin will sich die Gemeinde verpflichten, die Finanzierung der zweiten und dritten Etappe des Projektes über EU-Mittel sicher- zustellen.
Diese wurden bei mehreren Reisen mit Fachexperten der Gemeinde abgestimmt. Als besonders wichtig sollte sich erweisen, dass der Vorstand rechtzeitig Kontakte zu jenen politischen Kräften knüpfte, die als Sieger der jüngsten Kommunalwahlen fortan die Geschicke der Gemeinde Plovdiv bestimmen werden. Im Frühjahr 2008 wird der neue Gemeinderat von Plovdiv einen „Beschluss über die Förderung eines Pilotprojektes zur Errichtung eines landesweiten Ausbildungs- und Therapiezentrums auf dem Territorium der Gemeinde Plovdiv“ treffen. Darin will sich die Gemeinde verpflichten, die Finanzierung der zweiten und dritten Etappe des Projektes über EU-Mittel sicher- zustellen.
Insgesamt benötigt der Verein Spenden von 250 000 Euro. Helfen auch Sie uns, das neue Ausbildungs- und Therapiezentrum zu errichten!
Letzte Nachrichten:
Die bisherige stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dr. Christel Uebel, stellt nach 10jähriger Tätigkeit zum 31. 12. ihre Vorstandsposten zur Verfügung. Der Vorstand bedankt sich von Herzen für die von ihr geleistete Arbeit. Ohne die Arbeit von Frau Dr. Uebel wäre ein neues Leben für Kinder des Heimes „Maria Luisa“ nicht denkbar. Frau Dr. Uebel bleibt Mitglied des Vereins und wird dem Vorstand beratend zur Seite stehen. Ihr Aufgabenfeld im Vorstand wird zum 01. 01. 2008 kommissarisch von Dr. Renate Kreibich übernommen.
Der Vorstand bedankt sich im Namen aller Kinder und Erzieher der Heime „Maria Luisa“ und „Pavel Babekov“ für Ihre Hilfe, Ihren Rat und Ihre Spenden. Von ganzem Herzen wünschen wir Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und eine gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2008.
Ihr Mirko Schwanitz / Vorstandsvorsitzender






Rundbrief 1/2007
Download Rundbrief 1/2007als PDF-Dokument



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.