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Tiefe Trauer um Rangel Bontshev
Mit großer Bestürzung, tiefem Schmerz und unendlicher Traurigkeit informiert der Verein, dass der von uns allen geschätzte und geliebte Rangel von uns gegangen ist. Rangel wurde nur 22 und sein früher Tod wäre vermeidbar gewesen.
Rangel musste das Heim "Maria Luisa" im Alter von 18 Jahren verlassen. Wie schon einige Jugendliche vor ihm zog er in ein von der Stiftung "Zukunft für Bulgarien" betreutes Haus. Die Vorsitzende der Stiftung ist die Gattin des ehemaligen Präsidenten Kostov. In dieser sinnvollen Einrichtung haben Jungen und Mädchen die Möglichkeit, im Anschluss an ihr Heimleben in einer Art Wohngemeinschaft zu leben. Auch Rangel erhielt diese Möglichkeit. Doch oft kam er noch ins "Maria Luisa" zurück - denn das war für den Jungen das wirkliche Zuhause. So hat er es immer gesagt: "Das hier ist mein Zuhause."
Wie wir heute wissen, klagte Rangel schon seit längerem über Kopfschmerzen. Doch ging er nicht zum Arzt, wohl in der Sorge, den Arzt nicht bezahlen zu können. Eines Tages fiel er einfach um. Seine Freunde riefen sofort den Notarzt. Doch der traf erst Stunden später ein. Im Krankenhaus wurden laut unseren Informationen zwei Diagnosen gestellt: Rangel habe Leukämie und einen Tumor im Gehirn. Neun Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ist Rangel verstorben.
Ich habe seit Tagen Rangels Bild mit einem kleinen schwarzen Bändchen auf meinem Tisch stehen. Jeden Tag schaue ich nun in sein Gesicht und stelle mir vor, dass er mit diesem, uns allen so vertrauten, verschmitzten, aber überraschten Blick auf uns herab sieht.
Dass er sieht, wie wir uns mit ungläubigen Lächeln an ihn erinnern. Mit jenem ungläubigem Lächeln, hinter dem unser aller Frage steht: Warum? Warum hat er uns verlassen? So schnell, als müsse er plötzlich vor dieser Welt fliehen? Wir alle hätten ihn doch so gern noch ein Stück auf seinem Weg begleitet! Gehört, wie das Tor vom „Maria Luisa“ sich leise quietschend öffnet und er mit seinem typischen schlendernden Gang heran kommt und sagt „kak ste“ – es gibt Fragen, die hier, auf unserer Welt nicht zu beantworten sind….
Wenn es einen Sinn in seinem für uns allen unbegreiflichen Tod gibt, dann wohl nur den einen, einzigen und tröstenden: Jemand wollte, dass Rangel nicht weiter leiden muss. Das ist für uns alle ein – wenn auch schwacher – Trost.
Rangel gehörte zu den Kindern, die wir gleich bei unserem ersten Besuch dort kennen lernten. Rangel hatte keine Eltern, keine Familie. Rangel hat nie geklagt. Für ihn die anderen Kinder Brüder und Schwestern, die Erzieher Vater und Mutter. Das sagte er mir einmal in einem Gespräch, das ich mit ihm führte. Was er gworden ist, sagte er mir, sei er durch sie geworden.
In der Art, wie er stets auf uns zu kam, uns freundlich anlächelte und grüßte, erkannten wir eine Friedfertigkeit und Bescheidenheit, die uns rührte. Heute wissen wir, dass es seine Art war, sich still und unaufgeregt für das zu bedanken, was wir für ihn tun konnten: ihm, für einige Jahre wenigstens ein gutes Zuhause zu schenken.
Und wir sind glücklich darüber, dass wir es ihm geben konnten. Leb wohl Rangel. Du warst unser Kind. Du fehlst uns….
In tiefer Trauer nehmen wir Abschied
Dora Stütz, Christel Uebel, Jochen Klinghammer, Renate Kreibich, Nadya Ivanova, Ursula Bürgel, Dieter Mathies und ich, Mirko Schwanitz, sowie alle Mitglieder und Paten des Vereins
***
PS: Der deutsche Verein und seine Paten übernehmen sämtliche Kosten für die "Quadragesima"-Feier (40 Tage nach dem Tod) sowie die Grabstätte von Rangel
Anmerkung:
Rangel, der während seiner Zeit im "Maria Luisa" wie alle Kinder regelmäßig untersucht wurde, war nie ernsthaft krank. Nichts deutete auf einen Tumor im Kopf hin. Nichts deutete auf Leukämie hin - aber wir wissen um die Heimtücke dieser Krankheit. Hätten wir eine Ahnung gehabt, wir hätten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um vielleicht gemeinsam mit der Jose-Careras-Stiftung Hilfe für Rangel zu organisieren Jetzt bleiben wir mit bohrenden Fragen, einigen Merkwürdigkeiten und unserer Trauer allein zurück...
Die Verantwortlichen für Rangels Tod müssen ihre unterlassene Hilfeleistung nun mit dem eigenen Gewissen vereinbaren: Der Notarzt der um Stunden zu spät kommt, die Betreuer im Haus der Stiftung "Zukunft für Bulgarien", die nichts unternahmen, um Rangel zu einem rechtzeitigen Arztbesuch zu bewegen oder mit ihm gemeinsam zum Arzt zu gehen und die sich nun auf seine Volljährigkeit berufen. Die Verantwortlichen der Stiftung "Zukunft für Bulgarien" selbst, die wie wir von Freunden in der Stadt erfuhren, ihren Betreuern und Rangels Mitbewohnern untersagten, über den Vorfall zu sprechen und die, wie wir ebenfalls auf diesem Wege erfuhren, der Direktorin des Heimes "Maria Luisa" den Zutritt zu ihrem Haus verwehren. Was geht in Menschen vor, die mit solchem Handeln ihr bisher gutes Werk und den Namen der eigenen Stiftung beschädigen - "Zukunft für Bulgarien"?
Rangel hätte vielleicht noch eine Zukunft gehabt, wäre er zum Zeitpunkt des Vorfalls im Heim "Maria Luisa" gewesen...

TRAURIGER NACHRUF / Am 22. Feburar 2009 / enden die 40 Tage / seit dem Tod von RANGEL ZLATKOV BONCHEV / 22 Jahre alt *** Für Dich haben die Blumen geweint / nass wie von Tau stehen sie nun / und unsere Herzen trauern / und unser Tränen netzen unser Antlitz. / Da - ein Fenster schimmert vage in dieser Dunkelheit / dein Bett bleibt unberührt und leer / uns ist, als hörten wir deine Schritte in dieser nächtlichen Ruh / und warten - / warten dass du wiederkehrst *** Die Trauerfeier findet am 22.02.2009 um 11 Uhr im Gedächtnispark "Sever", Rogosher Chausee, statt. / Die Kinder und Erzieher des Heimes "Maria Luisa"

Wenn es einen Sinn in seinem für uns allen unbegreiflichen Tod gibt, dann wohl nur den einen, einzigen und tröstenden: Jemand wollte, dass Rangel nicht weiter leiden muss. In der Art, wie er stets auf uns zu kam, uns freundlich anlächelte und grüßte, erkannten wir eine Friedfertigkeit und Bescheidenheit, die uns rührte...






Tiefe Trauer um Rangel Bontshev



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.