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Zukunft für Euch - Berufsausbildung und integrative Begleitung von Jugendlichen in die Gesellschaft
In Bratsigovo im Sredna-Gora Gebirge entsteht mit dem Projekt "Zukunft für Euch!"derzeit die erste Berufsausbildungsküche für bulgarische Heimkinder. Hier sollen sie nach deutschem Vorbild eine professionelle Ausbildung erhalten. Doch "Zukunft für Euch!" bietet mehr als Berufsausbildung - es bietet für manches Heimkind erstmals eine reelle Chance auf ein selbstbestimmtes und von staatlicher Sozialunterstützung unabhängiges Leben nach dem Heimaufenthalt....
Als die deutsche Polizei bei einer Razzia Nevena S. aus einem Bordell befreite, weinte die junge Frau vor Glück. Nevena wurde in einem Sofioter Krankenhaus von ihrer Mutter verlassen. Mit sieben Jahren sagte sie nur „Puste!“ – weil sie in den Heimen, zwei hatte sie bereits hinter sich, stets zu heiß gefüttert worden war. Im neuen Heim brachten die Erzieher ihr das Sprechen bei. Sie kam in eine Schule für Lederverarbeitung, was sie nicht interessierte. Sie wäre viel lieber Köchin geworden, um Kindern Suppen zuzubereiten, an denen sie sich nicht den Mund verbrennen. Immer fühlte Nevena sich minderwertig – das Trauma des Verlassen- und Alleinseins nagte an ihr. Sie war still und in sich verschlossen und manchmal auch sehr aggressiv. Dann gab es Strafen statt therapeutischer Betreuung. Als sie 18 wurde, musste sie das Heim verlassen, sie bekam eine kleine Wohnung, deren Miete sie schon bald nicht mehr bezahlen konnte. Irgendwann kam ein Mann in einem großen Auto und versprach ihr das Blaue vom Himmel, doch nur eines war blau, als die deutsche Polizei sie fand – ihr von Schlägen malträtierter Körper….
Rangel S. war ein liebenswerter Kerl, immer hilfsbereit und gut in der Schule. Nicht so, dass es fürs Abitur gereicht hätte, aber er konnte zupacken und arbeiten und nun ist er tot. Wie Nevena verbrachte Rangel sein Leben in Kinderheimen. Manchmal hatte er Hunger, ansonsten mangelte es ihm an nichts. Gern hätte er jemanden gehabt, der ihn in den Arm nimmt, jemanden dem er seine tiefsten Sorgen und Nöte hätte anvertrauen können. Aber da war niemand. Nach dem Heim erhielt er eine Sozialwohnung. Die Miete teilte er sich zwei mit anderen Jugendlichen. Eine Berufsausbildung hatte er nicht. So ging er jobben – mal hie und mal da und wenn er Glück hatte, gab es sogar Geld. Es reichte für den Mietanteil aber nicht mehr für die Sozialversicherung. Und niemand war mehr da, der ihm Rat und Hilfe anbot, niemand, dem er von den Kopfschmerzen erzählen konnte, die immer stärker wurden. Eines Tages fiel er um, die Freunde riefen den Notarzt, der kam am nächsten Morgen – zu spät für Rangel…
Zwei Schicksale von Heimkindern in Bulgarien, das seine Heime rasanten Reformen unterworfen hat. In nur 8 Jahren schaffte das Land einen statistischen Rekord – es reduzierte die Zahl seiner Heimkinder von 35 000* (lt. Studie der Weltbank 2001) auf knapp über 8000. Wo sind sie plötzlich geblieben, die 27 000 Kinder aus den bulgarischen Heimen? Eine Frage, auf die niemand eine wirkliche Antwort weiß. Heime werde geschlossen, das Pflegefamilienprogramm läuft schleppend. Die Erzieher gehören zu den am schlechtesten bezahlten Berufsgruppen im Land und die Heime sind nach wie vor chronisch unterfinanziert.
Kann man verhindern, dass Jugendliche solche Schicksale erleiden müssen wie Rangel und Nevena? Kann man sie lehren, mit ihren Traumata umzugehen? Kann man Pädagogen unter diesen Bedingungen motivieren, ihren Beruf weiter oder dennoch zu lieben? Kann man Projekte so gestalten, dass sie wie eine Ersatzfamilie funktionieren, als schützender und begleitender Schirm wenn es Probleme hagelt? Als Haltetau, wenn sie ins Straucheln geraten? Als Wegweiser wenn sie an unübersichtlichen Kreuzungen stehen?
Das Projekt „Zukunft für Euch!“ zeigt – man kann!
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Der „Verein Zur Förderung bulgarischer Kinderheime“ e.V., und die NAVA, stehen seit Jahren für erfolgreiche Arbeit im schwierigen Umfeld der bulgarischen Jugendsozialfürsorge.
Bisher verlassen Jugendliche die Heime oft ohne eine wirkliche Berufsausbildung. In vielen nachgewiesenen Fällen sind die Jugendlichen am Ende erneut abhängig von staatlichen Sozialtransfers oder – schlimmer noch – sie geraten in einen Kreislauf von Kriminalität, Gewalt und Prostitution.
„Zukunft für Euch!“ bietet einen Weg aus dieser Sackgasse. „Zukunft für Euch!“ vernetzt bereits vorhandene Kapazitäten und eröffnet Bulgariens Jugendsozialfürsorge neue Möglichkeiten…
Die NAVA betreibt im Umkreis von Plovdiv sieben von insgesamt 22 Zentren für soziale Unterstützung. Hier arbeitet die NGO mit verhaltensauffälligen Jugendlichen, unterstützt sozial schwache Familien, bietet Therapien an. Von hier aus wirkt die NAVA auch in die Kinderheime der Region und unterstützt dort seit Jahren das pädagogische Personal.
Seit Jahren bemühen sich NAVA und der deutsche Verein, Jugendfürsorgepersonal, in den Unterstützungszentren in „integrativer Sozialprävention“ fortzubilden und sie mit Erfahrungen in der praktischen Sozial – und Präventionsarbeit auszustatten.
In diesen Zentren mit engen Kontakt zur lokalen Bevölkerung sollen in Zukunft auch Pflegefamilien für Heimkinder gewonnen, ausgebildet, begleitet und unterstützt werden. Nur das Angebot einer umfassenden Begleitung, kann bulgarische Familien in ihrer schwierigen sozialen Lage dazu bewegen, Pflegekinder aufzunehmen und eine Wende in dem bisher gescheiterten Pflegefamilienprogramm der Regierung bringen.
Das Projekt „Zukunft für Euch!“ ergänzt diese Bemühungen. Der bisherigen Tätigkeit der NAVA und des deutschen Vereins wird in Brazigovo nun die Komponente der Berufsausbildung sowie die betreute Begleitung in feste Arbeitsverhältnisse hinzugefügt. Das bietet Jugendlichen aus den Heimen erstmals die reelle Chance auf eine wirkliche Integration in die Gesellschaft. Später sollen auch von Pflegefamilien aufgenommene Jugendliche von diesem Projekt profitieren.
Ziel ist es, die Zentren der NAVA und „Zukunft für Euch!“ zu einem interagierenden Therapie-Zentrum verschmelzen. Dessen Kompetenzen sollen schon bald die Einrichtung einer „Task Force“ ermöglichen - einer Einsatzgruppe aus Therapeuten, Ärzten, Sozialarbeitern und Berufsausbildern, die von Kinderheimen wie von den Sozialämtern in Problemfällen zur Hilfe gerufen werden kann. Eine solche „Task Force“ ist angesichts des „therapeutischen Notstands“ in Bulgarien zwingend erforderlich. Ihre Zusammensetzung ist flexibel, den Problemfällen angepasst. Diese Gruppe von Spezialisten hilft bei der Lösung von Problemen in der Jugendsozialarbeit vor Ort und führt anhand des aktuellen Problemfalls sofort praktische Schulungen des Personals von Kinderheimen und der Sozialbehörden durch.
Der Kreis schließt sich, wenn „Zukunft für Euch!“ gleichzeitig die Gründung von Selbsthilfegruppen initiiert, mit deren Hilfe Jugendliche in feste Arbeitsverhältnisse begleitet werden und in der Übergangsphase aus den Heimen in den Beruf und in ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben weitere Betreuung erfahren….






Zukunft für Euch - Berufsausbildung und integrative Begleitung von Jugendlichen…



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.