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Großer Bahnhof - Bulgariens erste Berufsausbildungsküche für Heimkinder eröffnet
Für ein Wunder hielten es viele der Gäste, was die Gemeinde Bratsigovo, der deutsche "Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime" e.V und seine bulgarische Partnerorganisation, die "Nationale Allianz zur Arbeit mit Freiwilligen" da in Rekordzeit auf die Beine gestellt haben. Im Mai begannen die Umbaumaßnahmen im Kinderheim "Vasil Petleschkov". Nach nur sechs Monaten sollte am 30. Oktober 2009 ein neues Pilotprojekt des deutschen Vereins an den Start gehen. Mit dem Durchschneiden des Bandes eröffneten der Bürgermeister von Bratsigovo, Vasil Gjulemetov, und Dr. Monika Kleck, Vertreterin von RENOVABIS, einem der Hauptsponsoren, nicht nur Bulgariens modernste Heimküche.
Als Berufsausbildungsstätte soll sie fortan den benachteiligten und aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammenden Heimkindern eine reale Chance auf dem Arbeitsmarkt verschaffen. Darüber hinaus wird sie in Zukunft bis zu 350 Portionen täglich produzieren und weitere Sozialeinrichtungen der Gemeinde versorgen. Die ersten 21 Auszubildenden aus zwei Kinderheimen sowie aus sozial schwachen Familien haben sich in der neu eingerichteten Berufsschulklasse eingeschrieben - das sind bereits drei mehr als von den Initiatoren ursprünglich geplant.

12:00 Uhr: Mit einer Pressekonferenz begannen die Feierlichkeiten zur Eröffnung der ersten Berufsausbildungsküche für bulgarische Heimkinder. Journalisten und Fernsehteams aus Deutschland und Bulgarien informierten sich über das Projekt. Die Exekutiv-Direktorin der NAVA, Reneta Veneva, Heimleiterin Nina Naydenova und der deutsche Vereinsvorsitzende, Mirko Schwanitz, beantworteten zahlreiche Fragen (v.r.n.l)

12:10 Nach der Pressekonferenz begrüßten die Kinder mit einem hinreißenden Programm die mehr als 100 Gäste, darunter Heimleiter anderer Heime aus ganz Bulgarien, Vertreter verschiedener NGOs. Es ist unglaublich, freute sich auch Bürgermeister Vasil Gjulemetov (im Bild links), dass sich für dieses Projekt so viel Menschen interessieren. Den Raum, in dem die Feier stattfand, hatten Erzieher in Eigenleistung erst vor kurzem renoviert

12:15 ... hatte Ivan seinen großen Auftritt als "Der kleine Prinz" aus dem Buch von Saint-Exupery. Der 14jährige ist einer der ersten Azubis in der neuen Berufsausbildungsküche. Hier demonstrierte er, dass angehende Köche durchaus auch auf der Bühne eine gute Figur machen können. Mit seinem Vorhaben, später auch "zu Hause" zu kochen, eroberte der kleine Prinz die Herzen so manches Zuschauers. Doch nur wenige ahnen wohl, wie weit Ivans Weg zu einem neuen "zu Hause" noch ist

12:30 ... Mirko Schwanitz überbringt Grußworte der Aktion "Sternstunden" und des Koblenzer Vereins "Helft uns Leben". Ohne diese beiden Sponsoren, so sagte der deutsche Vereinsvorsitzende, wäre dieses Projekt unmöglich gewesen. Er dankte im Namen aller Kinder, Ausbilder und Pädagogen den Menschen in den Bundesländern Bayern und Rheinland-Pfalz, die das mit ihren Spenden möglich gemacht hätten

12:40 ...nahm Mirko Schwanitz einen Scheck der Firma KUNKEL Großküchentechnik entgegen. Alle im Saal hoffen, sagte Schwanitz deren Vertreter Klaus-Peter Müller, dass bulgarische Firmen ihrem Beispiel folgen und Verantwortung für die Jugend ihres eigenen Landes übernehmen. KUNKEL hätte mit Unterstützung des Senior- wie Junior-Chefs von ganzem Herzen zum Gelingen des Projektes beigetragen

12:45 ...überbringt der Wirtschaftsreferent der deutschen Botschaft, Wolfram Wendel (3. v.r.), die Grüße der deutschen Regierung. Er betont, wie wichtig solche Initiativen für eine funktionierende Zivilgesellschaft, aber auch für die Beseitigung des Fachkräftemangels sind, an dem die bulgarische Wirtschaft leide. In diesem Sinne werde die deutsche Botschaft die Projektträger im Rahmen ihrer Möglichkeiten stets unterstützen

12:50 ...dankt Bürgermeister Vasil Gjulemetov dem deutschen Verein für das Vertrauen, das die Spender seiner Gemeinde entgegen gebracht hätten. Er gestand, nach den ersten Gesprächen äußerst skeptisch gewesen zu sein. Lediglich der Ruf, dass der Verein Projekte, die er beginne, auch zu Ende bringe, habe ihn und den Gemeinderat veranlasst, damals Ja zu sagen. Das habe er nicht nicht eine Sekunde bereut

12:53 ...Reneta Veneva, die Direktorin der NAVA, sei ihm mit ihrer Hartnäckigkeit manchmal "auf die Nerven" gegangen. Das aber habe er im Interesse des Ziels immer gern ertragen, sagte Gjulemetov (Bild oben) Auch die Vize-Gouverneurin der Region Pazardshik wünschte dem Projekt Erfolg. Sie war die einziger Vertreterin des Staates. Weder Sozial- noch das Bildungsministerium hatten auf die offizielle Einladung geantwortet (Bild rechts)



13:00 ...wurde alle Gäste im rekonstruierten Speisesaal mit Brot und Salz empfangen (Bild links) 13:15 ... nahmen Priester der orthodoxen Kirche die Einsegnung vor und gratulierten Heimleiterin Nina Naydenova. Anwesend war auch Pater Jiri, Abgesandter des Bischofs der griechisch-katholischen Kirche, Hristo Proykov. Dieser hatte bei der katholischen Bischofskonferenz um Unterstützung für das Projekt geworben (Bild oben)

13:40 ... Gern überließ der deutsche Verein Dr. Monika Kleck, Vertreterin von RENOVABIS, das Durchschneiden des Bandes. Sie hatte mit ihrem Engagement viel zur Unterstützung des Projektes beigetragen. Sie forderte dazu auf, dieses Projekt mit weiteren zu verknüpfen und so ein nachhaltigens Netzwerk von Initiativen zu schaffen, die sich für sozial benachteiligte Menschen einsetzten

10:00 Uhr ...bereits am Vormittag hatten in der neuen hochmodernen Küche die Vorbereitungen für die Feiern am Nachmittag begonnen. Zum ersten Mal sollten auch die Azubis in der Küche arbeiten und ihren Ausbildern bei der Herrichtung des Buffets behilflich sein. Und schon wenig später waren alle mit hochroten Gesichtern dabei, die einen schälten in den Vorbereitungsräumen Gemüse, andere schmückten den Speisesaal

10:30 ... schmorten die ersten Paprikaschoten in der Pfanne. Ihr Duft sollte noch lange den Raum füllen, da konnte sich die neue Abluftanlage mühen wie sie wollte. Ich hätte nie geglaubt, in meinem Leben einmal in einer so modernen Küche arbeiten zu können, sagte eine der Küchenhelferinnen. Sowas haben bei uns doch sonst nur die Fünf-Sterne-Hotels. Aber vielleicht werden eines unsere Kinder ja mal Koch in so einem Hotel.

11:00 ... gab es dann für einige Azubis den ersten Unterricht. Ivan (Bildmitte), Vater unbekannt, lebt einige Zeit nach dem Tod der Mutter allein zu Hause und wäre dort beinahe verhungert. Im Heim holte ihn Heimleiterin Naydenova wieder zurück "ins Leben". Die Pädagoen verstanden in ihm viele Talente zu wecken, wie die Gäste später sehen sollten. Nun will er Koch werden, auch "um nie wieder hungern zu müssen"

11:30 ... inzwischen wird in der Küche auf Hochtouren gearbeitet. Bevor die Gäste kommen, sollen auch noch die fast 100 Heimkinder versorgt werden. Svetlanas Eltern leben in einer Lehmhütte neben einer Mülldeponie und sind nicht in der Lage, ihre Kinder zu ernähren und zu erziehen. Im Heim hat Svetlana nun ein zu Hause auf Zeit gefunden. Mit dieser Ausbildung will sie sich "aus der Armut befreien".

12:00 ... während oben die Pressekonferenz beginnt, betreten unten, noch immer vorsichtig und staunend, die Kinder den Speisesaal. Noch vor einigen Wochen war dieser Raum dunkel und trist. Das sie jetzt eine so "tolle Küche" haben, wollen viele nicht glauben. Jetzt, so meinte der kleine Junge links am Tresen, schmeckt es mir gleich doppelt so gut. Eine Meinung, die fast alle der von uns befragten Kinder teilten

12.15 ... manchen Kinder müssen die Erzieher erst gut zureden. Sie trauen sich kaum, die neuen Teller von der blitzenden Essenausgabe zu nehmen. Kein Wunder erklärt die Frau an der Ausgabe, bis jetzt gab es bei uns Blechteller. Jetzt aber benutzen wir Porzellanteller, so wie sie in jeder normalen Familie üblich sind. Auch daran müssen sich diese Kinder erst gewöhnen. Auch das ist ein Stück Kultur, das wir ihnen beibringen müssen. Das die Deutschen nicht nur an moderne Technik dachten, sondern sich auch um die kleinen, wichtigen Details kümmerten, habe sie besonders beeindruckt

14:00 ... Mit einem "horo", feiern diese Jugendlichen ihre neue Ausbildungsstätte. Zum ersten Mal erhalten sie durch eine professionelle Ausbildung eine reale Chance auf dem Arbeitsmarkt. Unsere Berufsausbildung bedarf neuer Wege, erklärte eine Vertreterin der Agentur für Kinderschutz. Zur Zeit arbeiten gerade einmal 25 Prozent der Jugendlichen in den Berufen, für die sie ausgebildet wurden. Für einen der gravierendsten Konstruktionsfehler dieses Systems halten Experten das extreme Ungleichgewicht zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung.

14:15 ... das Buffet ist eröffnet. Für die neuen 21 Auszubildenden war es die erste Übung. Bis sie alle auf dem Tisch stehenden Leckerbissen selbst zubereiten können, werden zwei Jahre vergehen. Bis dahin, so erklärten Reneta Veneva und Mirko Schwanitz, seien noch zahlreiche Probleme zu lösen. Wie überall stecke der Teufel im Detail. So lassen die bulgarischen Bestimmungen z.B. nicht zu, dass die Azubis sich im Rahmen ihrer praktischen Ausbildung an der Zubereitung der in der Küche hergestellten Speisen für das Kinderheim und die anderen zu beliefernden Sozialeinrichtungen beteiligten. Genau solche Bestimmungen aber machten das System aus Sicht ausländischer und bulgarischer Investoren so ineffektiv. Das Pilot-Projekt biete jetzt das Forschungslabor, in dem die Behörden prüfen könnten, wie das eigene Berufsausbildungssystem effektiver gestaltet werden könne.

Die Gemeinde Bratsigovo, der Verein Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V, die "Nationale Allianz zur Arbeit mit Freiwilligen", sowie alle Kinder und Jugendlichen des Heimes "Vasil Petleschkov" bedanken sich bei den Sponsoren, die dieses Projekt möglich gemacht haben






Großer Bahnhof - Bulgariens erste Berufsausbildungsküche für Heimkinder…



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.