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Startschuss für die Beseitigung der Brandschäden im Heim
Lesen Sie im unteren Teil auch das aktuelle Interview mit dem Vereinsvorsitzenden
Berlin: Am Samstag, den 12.06.2010 gab der Vorstand des Vereins Zur Förderung Bulgarischer Kinderheime e.V. in Berlin den Startschuss zum Beginn der Beseitigung der umfangreichen Schäden, die bei einem Brand in der Nacht vom 17. zum 18. Mai im Kinderheim "Maria Luisa" entstanden waren.
Dem vorausgegangen war ein Vorschlag des Vorstandes an die Gemeinde Plovdiv, 70 Prozent der Kosten für die Rekonstruktion zu übernehmen. Bedingung dafür war die Übernahme von 30 Prozent der Reparaturkosten durch die Gemeinde und die Übernahme der Verantwortung für die Auswahl der beteiligten Firmen durch den Verein. Dieser Vorschlag wurde zeitgleich in der bulgarischen Presse publiziert.
Grund für dieses Vorgehen waren Gerüchte, demzufolge die Stadtverwaltung die Arbeiten öffentlich auschreiben, zur Ausschreibung selbst aber nur vier bereits vorbestimmte Firmen einladen wollte. Als Beginn der Reparaturen war erst der September vorgesehen, was die gesamte Sommerferienplanung gefährdet hätte. Zudem solltem die Firmen aus dem Budget des Heimes finanziert werden.
Der Vorschlag des Vorstandes und seine Veröffentlichung in den bulgarischen Medien führten zu einem Umdenken in der Stadtverwaltung. Diese erklärte gegenüber dem Deutschen Generalkonsulat in Plovdiv, dass sie dem Vorschlag des Vereins zustimmt, 30 Prozent der Kosten übernimmt und die Verantwortung der Arbeiten in die Hände des Vereins legt.
Der Verein hat inzwischen die Firma als Generalauftragnehmer der Reparaturarbeiten bestimmt, die bereits beim Hausbau federführend war und sich in den vergangenen Jahren auch mit freiwilligen Leistungen um die Instandhaltung der Gebäude bemüht hat. Die ersten Rechnungen werden aus jenen Spenden beglichen, die bei unserer Partnerorganisation der "National Alliance for Volunteer Action" in Bulgarien eingegangen sind. Dabei handelt es sich um etwas mehr als 3000 Euro. Für weitere Rechnungen steht dann der deutsche Verein ein. In Deutschland sind bisher etwa 7000 Euro an Spenden eingegangen.
Auch wenn damit noch nicht alle Schäden gedeckt sind - der Vorstand dankt allen Spendern in Deutschland und Bulgarien für ihr Mitgefühl, ihre spontane Hilfsbereitschaft und das Herz, das sie für die betroffenen Heimkinder gezeigt haben. Nur Sie haben es möglich gemacht, dass die Reparaturarbeiten vor den Sommerferien der Kinder beginnen und weitgehend abgeschlossen werden können.
Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass den Pädagogen des Heimes von der bulgarischen Agentur für Kinderschutz psychologische Hilfe und Supervision "aus Mangel an Möglichkeiten" verwehrt wird, hat sich der Vereinsvorstand darüber hinaus entschieden - ab sofort eine permanente Supervision der Heimleiterin sicherzustellen. Außerdem wird er im Rahmen verschiedener Projekte das "Teambuilding" im Heim "Maria Luisa" unterstützen und auch den Erziehern und anderen Mitarbeitern der Einrichtung psychologische Unterstützung anbieten. Dafür werden jedoch weitere Spenden in Höhe von ca 4500 Euro benötigt, die vor allem für Schulungen und Honorare professioneller Supervisions-Experten ausgegeben werden sollen.
Sehen Sie dazu auch: www.bulgarische-kinderheime.de/de/news/index.html
Lesen Sie hier das
INTERVIEW mit dem Vereinsvorsitzenden Mirko Schwanitz
von Irina Lazarova
Herr Schwanitz, Sie sind soeben aus Bulgarien zurück gekehrt. Wie ist die Situation?
Der Schaden ist, wie die Fotos bereits zeigten, beträchtlich. Unsere erste Schätzung, dass die Reparatur in etwa 20 000 Euro kosten wird, hat sich weitgehend bestätigt. Bei meinem Besuch zeigte sich jedoch, dass nicht nur die durch den Brand zerstörten Räume zu reparieren sind.
Wie meinen Sie das?
In der Folge des unprofessionellen Verhaltens einiger bulgarischer Medien, von Polizeibeamten sowie der Agentur für Kinderschutz muss ich leider feststellen, dass wir es jetzt nicht mehr nur mit traumatisierten Kindern, sondern auch mit traumatisierten Pädagogen zu tun haben. Auch deren Seelen müssen im - übertragenen - Sinne repariert werden. Auch sie benötigen dringend psychologische und psychotherapeutische Unterstützung.
Sie kritisieren die Arbeit der Polizei?
Ich kritisiere nicht die gesamte Arbeit der Polizei, sondern das Verhalten einiger weniger, für die Aufklärung der Vorgänge jedoch wichtiger Beamter. Die Polizei geht nach unserem Erkenntnisstand zum Zeitpunkt, da wir dieses Interview führen, noch immer von einer brennenden Zigarette als Brandursache aus. Unsere Recherchen vor Ort zeigen, dass es bisher keinerlei Indizien für diese Variante gibt. Es gibt aber sehr wohl starke Indizien für einen Brandanschlag. In diese Richtung wurde aber weder ermittelt noch wurde den entsprechenden Zeugenaussagen das notwendige Gewicht beigemessen.
Was macht Sie so sicher, dass es nun doch ein Brandanschlag war?
Ich sprach nicht von Sicherheit, denn ebensowenig wie die Polizei Beweise für ihre Version einer Zigarette vorweisen kann, können wir Beweise für den Brandanschlag vorlegen. Diese hätten aber sicher gestellt werden können, hätten die ermittelnden Beamten ihre Arbeit nach dem Brand professionell durchgeführt. Soweit mir bekannt ist, hat es keinerlei professionelle kriminaltechnische Spurensicherung gegeben. Was uns also bleibt sind menschliche Logik und Indizien.
Wie sehen diese Indizien aus?
Zum einen hatte die Heimleiterin am 17. Mai gegen 17 Uhr Anzeige gegen eine Familie erstattet, die gegenüber dem Heim wohnt. Diese Familie ist in den illegalen Zigaretten-Handel verstrickt und der Polizei seit langem bekannt. Der Heimleiterin wurde jedoch immer wieder mitgeteilt, dass man den Leuten nichts nachweisen könne. Nachdem sich einige Tage vor dem Brand zwei Kinder über diese Familie Tabletten beschaffen konnten, die sie dann zu einem Suizidversuch benutzten, war für die Direktorin das Maß voll. Sie erwarb von den Kriminellen eine Schachtel Zigaretten ohne Steuerbanderole und legte diese als Beweis der Anzeige bei.
Hat die Polizei nicht reagiert?
Doch. Die Frage ist nur wie. Um 20:30 Uhr erscheinen zwei Beamte im Heim und verlangen Jugendliche des Heimes zu sprechen, die selbst rauchen. Sie führen die Befragung dieser Jugendlichen direkt am Tor des Heimes durch und lassen zu, dass ein Mitglied der Familie, gegen die die Anzeige gerichtet ist, bei der Befragung anwesend. Wenig später steht das Obergeschoss von Haus V in Flammen.
Wollen Sie damit sagen, dass die schlampige Arbeit der Beamten für den Brand verantwortlich ist?
Ich konstatiere lediglich die Fakten. Zu diesen Fakten gehört leider, dass auch ein Kind aus dem Heim von der Anzeige erfahren und die Kriminellen ebenfalls informiert hatte. Dies ergab später einer Befragung von mehreren Kindern durch unseren Heimpsychologen.
Das allein ist aber für die Behauptung eines Brandanschlages reichlich dünn.
Richtig. Nur fanden drei Erzieher nach Löschung des Brandes gegen 3:30 in der Nacht im Sandkasten des Heimes, der direkt an den Zaun zur Straße grenzt, Fußspuren. Die Abdrücke waren so groß und so tief, dass alle drei Erzieher vermuten, dass hier eine erwachsene Person über den Zaun gesprungen sein muss. Sie bemerken auch, dass die Fußspuren in Richtung Haus V aus dem Sandkasten heraus und andere aus Richtung Haus V zum Zaun zurück führen. Bei genauere Untersuchung finden sie im Zaun auch noch Wollreste, wie sie durchaus für die Herstellung von primitiven Brandbeschleunigern Verwendung finden. Die Erzieher sichern diese Spuren bis zum Mittag des Folgetages und melden den Fund der Polizei.
Und was tut die?
Nichts. Weder schaut sie sich diese Spuren an, noch sichert sie sie.
Hat dieses Verhalten die Erzieher so traumatisiert?
Sicher ist das ein Grund. Der Hauptgrund aber dürfte die Medienkampagne gewesen sein, die im Zusammenhang mit dem Brand gegen die Pädagogen des Heimes "Maria Luisa" entfacht wurde. Hier dürfen Anwohner unangemessene Urteile über die Arbeit mit den Kindern in diesem Heim abgeben. Selbst die Mitglieder jener kriminellen Familie, gegen die Anzeige erstattet wurde, dürfen unkommentiert behaupten, das Leben in diesem Heim gliche ein Gefängnis. In einigen Berichten werden Brand und Suizidversuch in unzulässiger Weise miteinander verknüpft und behauptet, beide Vorfälle seien Ergebniss mangelnder Kontrolle und fehlender Zuwendung.
Ist es nicht so?
Nein. Die Kinder kamen an die Tabletten, gerade weil sie nicht in einem Gefängnis leben und alle Freiheiten haben, die ein bulgarisches Kind auch hat. Beide Kinder hatten genau an diesem Tag pubertäre psychologische Probleme, die sich nicht angkündigt hatten. 99 Prozent der Suizide von Jugendlichen in Bulgarien werden in normalen Familien begangen und nicht in Kinderheimen. Das Heim Maria Luisa gehört darüber hinaus Dank deutscher und französischer Hilfe zu jenen Heimen mit den meisten Therapieprojekten und gilt im Land als vorbildhaft. In der Berichterstattung über beide Fälle schlug den Pädagogen die gesamte Mißachtung entgegen, mit der die bulgarische Gesellschaft ihrer Arbeit seit Jahren begegnet. Und das, obwohl diese Gesellschaft diesen Menschen Jahr für Jahr die schwierigsten Jugendlichen anvertraut und sie mit allen Problemen weitgehend alleine lässt.
Wo waren denn die Erzieher als es brannte?
Die Medien behaupteten, dass die Kinder von Anwohnern gerettet worden seien. Sie stilisierten gar einen 19jährigen Lügner zum Helden. Die Wahrheit ist, dass das professionelle Verhalten der beiden Nachterzieher Dafina Stoyanova und Nikolai Didshev sowie des nach der Arbeitszeit noch im Heim gebliebenen Psychologen, Dimo Geratliev, dafür sorgte, dass die fünf unmittelbar betroffenen Kindern gerettet und allen anderen fast 70 Kinder rechtzeitig evakuiert werden konnten. Im übrigen hatten die zwei Männer mit Hilfe einiger Anwohner und 7 Feuerlöschern das Feuer bereits unter Kontrolle gebracht als die Feuerwehr eintraf. Dafina Stoyanova hatte, bevor sie die Feuerwehr rief, versucht, den nationalen Notruf zu erreichen. Es hob niemand ab. Auch darüber berichtete kein Journalist. Bis zu der von unserem Verein initiierten Pressekonferenz am 25. Mai hat nicht ein Journalist sich für das Befinden der Kinder und ihrer Pädagogen interessiert.
Viele Spender fragen, ob das Heim nicht versichert sei?
Hier muss ich vielleicht noch einmal klarstellen, dass das Heim nicht von uns betrieben wird. Wir unterstützen es nur. Verantwortlich für alle administrativen Dinge und für die Gestaltung des Budgets sind die bulgarischen Behörden. Und die haben die Gebäude, die Dank deutscher Hilfe inzwischen etwa zwei Millionen Euro wert sind, zu einer lächerlich niedrigen Summe versichert. Das ist der eigentliche Skandal - mehr als 1500 Euro wird die Versicherung nicht zahlen. Den Rest soll die Heimleiterin aus ihrem ohnehin viel zu geringen Budget bezahlen. Um konkret zu sein, sie soll die Reparatur aus dem Geld finanzieren, das für das Essen der Kinder, ihre Freizeitgestaltung oder für Therapien vorgesehen ist.
Kann in solchen Fällen die Agentur für Kinderschutz nicht helfen?
Die Agentur für Kinderschutz ist die höchste bulgarische Instanz, wenn es um die Interessen der Kinder geht. Sie könnte sich in einem solchen Extremfall wie diesem Brand sicher für Unterstützung auf höchster Ebene stark machen. Leider tut sie das in diesem Fall nicht. Als die Erzieher sie in einem Brief um psychologische Hilfe baten, wurde ihnen geantwortet, dazu sehe man sich nicht in der Lage... Im Übrigen wäre das in Deutschland ein Skandal, den viele Medien aufgreifen würden, um öffentlichen Druck zu erzeugen. Nicht so in Bulgarien. Die Karawane ist längst weitergezogen, Keine Zeitung interessiert sich dafür, wie die Leidtragenden dieses Brandes mit den Folgen leben.
Haben Sie bereits genügend Spenden zur Beseitigung der Folgen sammeln können?
Auf unsere Website sind alle eingegangenen Spenden bereits veröffentlicht. Wir bedanken uns dafür bei allen Spendern von ganzem Herzen. Als ich den Pädagogen mitteilte, wie viel Hilfe bereits eingegangen sei, weinten viele. Wir seien die einzigen, die nicht nur fragten, wie es ihnen und den Kindern gehe, sondern auch die einzigen, die sofort und konkret helfen. Meine Worte reichen nicht aus, ihre Dankbarkeit wiederzugeben. Wir freuen uns sehr, dass auch Unternehmen der deutsch-bulgarischen Handelskammer in Sofia, darunter auch viele bulgarische Unternehmen Hilfe zugesagt haben. Bisher haben wir aber noch keine Information, ob auf dem bulgarischen Spendenkonto schon Spenden eingegangen sind. Um mit den Arbeiten beginnen zu können, müssen wir derzeit mindestens noch einmal so viele Spenden sammeln, wie bisher eingegangen sind. Daher bitte ich alle - Helfen Sie uns zu helfen!
Herr Schwanitz, wir danken ihnen für das Gespräch
SPENDENAUFRUF
Der beim Brand entstandene Schaden beläuft sich auf mehr als 20 000 Euro, da nicht nur die betroffenen Räume komplett saniert werden müssen. Im gesamten Haus müssen auch die Löschwasserschäden beseitigt werden.
Wir möchten Sie alle von Herzen bitten, uns zu helfen, das Haus für die Kinder möglichst schnell wieder bewohnbar zu machen
Wer spenden und helfen möchte kann dies hier tun – wenn wir 5000 Menschen erreichen die nur 4 Euro spenden, dann können wir den Schaden am Haus vielleicht schnell beheben. Die Behandlung des Traumatas, das die Kinder erlitten haben, wird länger dauern. Sie können bereits helfen, in dem Sie diese Mail an möglichst viele Menschen weiterleiten, die Sie kennen…..
Förd. Bulg. Kinderh. e.V.
Spendenkonto: 300 00 60
BLZ 830 944 95
Bank: Ethikbank
Stichwort: Brandkatastrophe
Kontaktaufnahme, Fragen, Hilfsangebote sind unter der Telefonnummer 03361 - 31 05 91 möglich. Da unser Verein ehrenamtlich arbeitet ist zu Zeiten unserer eigenen Berufstätigkeit ein Anrufbeantworter geschaltet. Bei Fragen hinterlassen Sie bitte Ihre Rufnummer, damit wir Sie zurückrufen können.
Auch online-Spenden sind mögich: www.bulgarische-kinderheime.de/de/help/index.html
Weitere Informationen und Fotos zum Unglück finden Sie hier: www.bulgarische-kinderheime.de/de/heimleben/index.html






Startschuss für die Beseitigung der Brandschäden im Heim



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.