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Direktorin Darina Kukeva: Dankbrief nach Deutschlandbesuch
Liebe Freunde,
als mir der Vereinsvorsitzende im Mai mitteilte, dass der Vorstand beschlossen habe, mich und meine Kinder zu einem Erholungsaufenthalt nach Deutschland einzuladen, hielt ich das für einen Scherz. Innerlich sträubte sich einiges in mir, denn ich wusste, dass dieser Urlaub mit Spendengeldern bezahlt werden sollte. Durfte ich diesen Vorschlag also annehmen? Konnte ich ihn ablehnen?
Der Vorsitzende des Vereins bestand schließlich im Namen des Vorstandes darauf. Seine Argumentation überzeugte und rührte mich. Er sagte zu mir: "Darina, wir machen uns Sorgen um Dich. Du musst mal Luft holen. Erst der Suizidversuch zweier Jugendliche, das anschließende Trommelfeuer der Medien. Kurz darauf der Brandanschlag. Was nützt uns eine traumatisierte Heimleiterin mit mehr als 40 traumatisierten Erziehern und noch mehr traumatisierten Kindern. Du musst deinen Leuten Kraft und Zuversicht geben. Dabei bist du kurz vor dem burnout." Nun ist das etwas, das niemand gerne hören möchte. Aber ich musste mir eingestehen, dass er Recht hatte, dass ich mich wirklich müde fühlte nach all den schweren Jahren in meinem Land. Und nun auch noch diese zwei schlimmen Vorfälle so kurz hintereinander. Es kostet wirklich Kraft, den eigenen Kollegen Kraft geben zu müssen, ohne manchmal zu wissen, wo man selbst die Kraft hernehmen soll....
Das der Vorstand des deutschen Vereins sofort nach dem Brand den Vorsitzenden schickte, um uns moralisch zu untersützten, ging uns allen sehr nahe. Auch dass er uns vor der versammelten Presse bei einer Pressekonferenz in Schutz nahm. Ich glaube, einige von uns hatten eher erwartet, Vorwürfe zu hören. Es ist ein gutes Gefühl solche Freunde zu haben. Und ich weiß, dass der Vorstand sich als Vertreter von Ihnen allen sieht, die Sie ihre Spenden geben, um uns zu helfen. Doch diesmal schien uns der Schaden so groß, dass wir nicht damit rechneten, dass der Verein uns auch diesmal würde helfen können. Zumal ich mitbekam, dass Herr Schwanitz sich sehr beherrschen musste, als er erfuhr, dass unsere Behörden das Heim nur mit einer Maximalsumme von 1500 Euro versichert hatten. Wir alle glaubten nicht, dass wir die Renovierung wirklich bis zum Beginn des neuen Schuljahres schaffen würden. Aber wie auch immer, Herr Schwanitz schaffte es irgendwie, uns zu beruhigen und Mut zu machen. Selbst bei den Kindern spürte man das, denn einige kamen und fragten: Werden die Deutschen uns helfen?
Für mich und meine Kinder war der Urlaub in Deutschland wunderschön - ein Traum. Der Verein hatte dafür gesorgt, dass ich mich wirklich erholen und ein paar Tage nur für meine eigenen Kinder da sein konnte. Vom Balkon auf den Scharmützelsee schauen, sich im Thermalbad treiben lassen, einfach mal ein paar Tage ohne Ängste und Sorgen beginnen zu können. Das alles ist etwas, was uns in Bulgarien seit Jahren abhanden gekommen ist. Ich merkte, dass tatsächlich eintrat, was der Verein wahrscheinlich beabsichtigt hatte, meine Akkus luden sich wieder auf. Und meine Kinder freute sich, ihre Mutter ein paar Tage nur für sich zu haben.
Besonders bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Daubitz und Frau Stöhr vom Landesjugendamt Brandenburg, die mir an zwei Tagen tiefe Einblicke in deutsche Jugendeinrichtungen ermöglichten. Die Besuche in Blossin, wo ich mir eine Einrichtung ansehen durfte, die mit drogengefährdeten Jugendlichen arbeitet und in Schwedt an der Oder haben mich tief beeindruckt. Dort durfte ich mir ein einstiges DDR-Heim anschauen, dass 1989 noch 250 Kinder hatte. Heute ist es drittgrößter Arbeitgeber einer ganzen Region. Ich habe nach meiner Rückkehr meinen Kollegen ausführlich darüber erzählt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich zum ersten Mal eine Ahnung davon bekommen habe, welchen schweren Weg wir in Bulgarien noch vor uns haben. Und das ich mir wünschen würde, wir hätten in Bulgarien nur einen Bruchteil der Unterstützung durch ein Sozialsystem, wie es in Deutschland exisitert. Dieser Besuch hat mir eine Vision für die Zukunft gegeben - egal, wie weit entfernt sie jetzt noch ist.
Ich möchte ihnen sagen, dass es beruhigend und schön ist, Sie als Spender an meiner, an unserer Seite zu wissen. Ich habe viel mit anderen Heimdirektoren zu tun, wir treffen uns bei Sitzungen oder Schulungen im ganzen Land - sie alle beneiden mich um meine deutsche Partner. Warum? Weil der deutsche Verein eine der wenigen Hilfsorganisationen ist, die nicht nur nach Publicity schielen, wenn sie etwas machen. Vieles geschieht hier eher im stillen, im leisen. So zum Beispiel als er bei einer Brüsseler Organisation einfache, aber für uns unbezahlbare Auflagen für Bettnässer besorgte. Sie glauben nicht, welche Erleichterung das für uns, aber auch für die Kinder ist. Und erst heute spüren wir, wie sich einige Projekte auswirken, die wir vor drei, vier Jahren begonnen haben.
Für viele von uns ist nun das Wort "Nachhaltigkeit" keine leere Worthülse aus irgendwelchen Schulungen mehr. wir erfahren sie - Tag für Tag. Dafür möchte ich mich persönlich bei Ihnen allen bedanken.
Ihre Darina Kukeva
Heimleiterin Kinderheim "Maria Lusia"
Plovdiv 30. September 2010

Dieses ehemalige Kinderheim beherbergte zu DDR-Zeiten fast 250 Kinder. Heute ist aus dem Kinderheim einer der größten sozialen Dienstleister in der Uckermark geworden. Hier wird nicht mehr nur für Jugendliche gearbeitet. Längst gehören auch Altenbetreuung, und altengerechtes Wohnen wie auch die Arbeit mit Schulabbrechern oder Pflegeeltern zum Programm der Einrichtung.

Darina Kukeva besuchte mit den Vorstandsmitgliedern Dora Stütz und Mirko Schwanitz die Einrichtung. Ermöglicht hatte den Besuch Detlef Daubitz vom Landesjugendamt Brandenburg und die Leiterin der Einrichtung gab Darina Kukeva auf all ihre Fragen Antwort

Helle und lichte Gänge verbinden die Verwaltung mit den übrigen Gebäuden, in denen sich nicht nur Wohnungen für altersgerechtes Wohnen befinden, sondern .....

...auch Therapieräume für die Gruppentherapie von behinderten Menschen - jungen wie alten

Besonders interessiert war Direktorin Kukeva an den Therapieräumen, in den sich Experten mit hyperaktiven oder auch aggressiven Kindern in Einzelherapien beschäftigen können....

... die Einrichtung eines solchen Raumes, den es bisher in nur wenigen Sozialzentren der Partnerorganisation des deutschen vereins, NAVA, gibt, ist einer der großen Wünsche von Darina Kukeva






Direktorin Darina Kukeva: Dankbrief nach Deutschlandbesuch 



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.