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Rückblick auf die fünfte Vereinsreise - DA HABT IHR UNGLAUBLICHES GELEISTET
...das war ein Satz, der mehrfach fiel in diesen sonnigen Tagen, die der "ciganski ljato" - der Zigeunersommer - wie man in Bulgarien sagt, uns bescherte.
Nachdem sich im vergangenen Jahr mehr als 25 Leute für die Reise gemeldet hatten, blieben am Ende gerade einmal sieben übrig, die die Reise antraten. Das ärgerte aber niemanden, denn gerade in kleinen Gruppen ist ein intensiveres Kennenlernen des Landes möglich. Das zeigte sich auch bei dieser Reise, die uns über das Rila-Gebirge in die Rhodopen und die Stadt Plovdiv führen sollte.
Anders als bei den vergangenen Reisen war diesmal bewusst entschieden worden, das "Hauptquartier" dort aufzuschlagen, wo sich auch unser Hauptprojekt findet - das Kinderheim "Maria Luisa". Das erwies sich am Ende als gute und richtige Entscheidung - da er jedem Teilnehmer flexibel eröglichte, zu entscheiden, welche Angebote der Gruppe wahrnehmen wollte.
DIE LETZTE IHRER ART
Gleichzeitig will der Vorstand bekanntgeben, das die 5. Vereinsreise die letzte dieser Art gewesen ist. Grund ist der erhebliche Aufwand zur Vorbereitung dieser Reisen und der Diskrepanz, die stets zwischen dem geäußerten Interesse und der tatsächlichen Zahl der Mitreisenden besteht. Es wurde entschieden, dass der Vorsitzende seine jeweiligen Reisen nach Bulgarien auf der Website bekannt gibt. Interessenten wird die nun die einzigartige Möglichkeit angeboten, ihn bei diesen Reisen zu begleiten und so Vereinsarbeit und Land hautnah zu erleben. Wer also Interesse hat, kann jederzeit Kontakt mit dem Verein aufnehmen.

Vom Flughafen in die Berge. Kurzer Stopp auf dem Weg zum Rila-Kloster. Wir hatten ein schönes Lokal entdeckt. Gemütlich, urig. Einige von uns aßen den ersten Shopska-Slat ihres Lebens und entdeckten sofort, das bulgarisches Gemüse durchaus Suchtpotential haben kann...

... angekommen. Das Hotel lag unmittelbar dahinter, jedoch versteckt in einer Schlucht - so dass wir zunächst vorbeifuhren, um uns schließlich auf einem abenteuerlichen Waldweg von hinten an das Hotel \"heranzuschleichen\". Aber dann war es da, wir stiegen aus und atmeten würzige Waldluft...

Sonntag morgen: Besuch des Bulgarischen Nationalheiligtums. Die Architektur des Rila-Klosters faszinierte alle. ....

...weniger faszinierend war die Art und Weise wie uns eine Führerin durch die hinter den Balustraden liegenden Räume jagte. Man merkte, den Führerinnen im Rila-Kloster sind interessierte Gäste eher lästig als willkommen...


... das tat der Freude an den vielen interessanten Details des Klostern keinen Abbruch. Dass der Pope den Vereinsvorsitzenden in der Kirche beinahe umgerannt hätte, weil der sein kommen nicht bemerkt hatte und ihm im Weg stand, ist eine weitere kurisoe Erinnerung an den Aufenthalt. Gegen Mittag ging es hinaus aus dem Rila-Kloster in die Rhodopen...

Nach gut drei Stunden Fahrt Ankunft in Kovacevica, einem denkmalgeschützten Dorf inmitten der Berge. Bekannt ist es vor allem für seine historischen alten bulgarischen Bauernhäuser. Staunend geht man durch Gassen, die von den Häusern überwuchert scheinen. Ein Dorf, das wie aus der Natur selbst gewachsen scheint...

...oben am Hang lag unser Hotel, mit urigen Zimmern, knarrenden Dielen und einem atemberaubenden Ausblick über das Gewirr der tonnenschweren Granitdächer des Dorfes. Wer nicht mehr weiß, was Stille in der Nacht ist, der sollte hierherkommen. Am Abend wartete ein besonderes Highlight auf uns. Der Vereinsvorsitzende stellte uns den Schriftsteller Georgi Danailov vor. Er hat das Dorf in seinem auch auf Deutsch erschienenen Buch "Das Haus am Ende der Welt" in die europäische Literatur gestellt. Ein einmaliger Abend...


... das alles fand in dieser wunderbaren Gasstätte statt, in der wir von den Besitzern wie Angehörige der Familie begrüßt und bewirtet worden. Ihr wollen wir von hier aus ein großes Dankeschön für die Gastfreundschaft sagen...

Am nächsten Tag ging es durch die Berge, vorbei am zauberhaften Stausee von Dospat in die thrakische Tiefebene aus der sich steil einige Hügel erheben, Hier gründete eins Phillipp, der Vater von Alexander dem Großen die nach ihm benannte Stadt Philipopolis - heute nennt sie sich Plovdiv und ist der Standort des größten Projektes des Vereins Zur Förderung bulgarischer Kinderheime...

Unser Hotel lag zentral, aber versteckt in der "Kapana" - der Falle, wie die Einheimischen diesen Teil der verwinkelten, wunderschönen Alstadt nennen. Das "Dafi" ist schlicht und einfach, mit nettem Personal, gutem Service und Frühstück. Von hier sind es gerade einmal zehn Minuten zu Fuß zum Heim Maria Luisa und nicht mehr zu fast allen Sehenswürdigkeiten der Sadt - eine wirklich gute Wahl...

Im Balabanow-Haus, dem größten Gebäude aus der sogenannten Wiedergeburtszeit erklärte Mariana Gamizova, die dem Verein seit Beginn seiner Gründung vor Ort zu Seite steht die Geschichte der Stadt ....

... während die liebe, tapfere Dora, die mit kranken Bein die Reise angetreten hatte, froh war, sich einmal ausruhen zu können. Uns allen war sie liebevolle Beraterin, polyglotte Reiseführerin und geduldige Übersetzerin. Dora, von hier aus noch einmal - toll das wir dich hatten und ein großes Dankeschön von der ganzen Truppe!!!

...hinter dem Balabanov-Haus, das einst einem reichen Kaufmann gehörte. kommt man durch eine Pforte zu einem Haus eines reichen armenischen Händlers, dem Hindlijan-Haus ....

... die Inneneinrichtung vermittelt einen Eindruck, wie man damals Mitte des 18. Jahrhunderts in Plovdiv lebte....

... in den alten Häusern zeigt sich ein heute leider in Bulgarien ausgestorbene Handwerkskunst. Nicht nur die harmonische Architektur oder die Möbel, auch die alten Holzdecken offenbarten die Virtuosität der alten Meister ...

... auf diese Decke in einem der Zimmer des Hindlijan-Hauses wies uns der Vereinsvorsitzende hin. Heute, sagte er, könne man in Bulgarien nicht einmal mehr eine Hobelbank kaufen - ein deutlicheres Zeichen für das Aussterben des alten Tischlerhandwerks könne es kaum geben...

Unser Stadtrundgang endete am Amphitheater, dass einst unter einem Schulhof verborgen lag, heute aber zu den Hauptattraktionen der Stadt zählt und immer noch für Konzerte genutzt wird. Während unter dem Theater Autos durch den Berg rollen genißet man oben Musik und Theater in hervorragender Akustik mit Blick auf die fernen Berge der Rhodopen - einfach phantastisch...

Nach kurzer Mittagspause besuchten wir das Heim Maria Luisa. Diejenigen von uns, die das Heim noch nie gesehen hatten waren beeindruckt und wollten kaum glauben, wie es hier früher einmal ausgesehen hat...

Auf dem Programm standen nicht nur gemeinsames Backen oder die Akkord-Eierkuchen-Fabrikation, sondern auch gemeinsames Tischtennisspielen, bei denen uns die Kinder gnädig gewinnen ließen. Es war eine wunderbare Stimmung...

Allen fiel auf, wie sehr die Kinder unsere Nähe suchten. Angesichts ihrer Fröhlichkeit und nach außen getragenen Unbeschwertheit ging uns das Herz auf. Doch gleichzeitig ahnten wir den Grund ihres Buhlens um Nähe, Zärtlichkeiten und kleinen Streicheleinheiten. Die Lebendigkeit ...

...und die Gefühlsausbrüche insbesondere der Roma-Kinder ließen uns ahnen, welch schwierigen Job die Erzieher hier haben. Dennoch sind alle sehr anhänglich, suchen den Kontakt - Barbara hatte jedenfalls keine Mühe, im Heim eine neue Freundin zu finden...

Am nächsten Tag besuchten wir das unweit von Plovdiv gelegene Kuklen-Kloster. Wie Dora uns erklärte kämen viele Leute hierher, weil sie glaubten, hier von bestimmten Krankheiten geheilt werden zu können. Dazu müsse man heilige Ketten berühren, die sich in einem Raum des Klosters befinden...

... diese Kirche des Klosters konnten wir nicht besichtigen, sie wurde gerade renoviert. Überhaupt scheint viel Geld in dieses Kloster zu fließen. Alles hier ist neu renoviert. Außer das Lächeln der Nonnen, die uns eher unfreundlich behandelten. Fotografieren im Inneren des Klosters war übrigens strengstens verboten...

Aufbruch vom Kloster in Richtung Shiroka Laka, einer kleinen pitoresken Stadt mitten im Gebirge. Hier steht eine der außergewöhnlichsten Schulen Bulgariens - eines von drei Gymnasien für traditionelle Musikinstrumente...

Mehr als 80 Schüler aus dem ganzen Land erhalten hier unter der Obhut von Direktorin Tenova eine profunde klassische Musikausbildung. Zusätzlich werden sie an je einem traditionellen Musikinstrument ausgebildet...

Zum integralen Bestandteil des UNterrichts gehört für jeden Musikschüler Unterricht am Klavier. Der UNterricht findet in schallisolierten Einzelkabinetten statt, die manche deutsche Musikschule neidisch machen würden...

Auf die Ausbildung am klassischen Instrument baut dann der weitere Unterricht an traditionelle Musikinstrumente auf . Dieses Mädchen wird bald seine Abschlussprüfung auf der viersaitigen Tambura ablegen...

Ein anderes, in der bulgarischen Folklore unverzichtbares Instrument ist der Gaida, der Dudelsack. Die Schüler aus Shiroka Laka sind wahre Meister auf diesem Instrument. Auch die Gusla, eine einsaitige Fiedel, ist ein Instrument, das typische ist für die bulgarische Voksmusik. Dieser Schüler (r.) begeisterte uns besonders, weil er mit einer Freude und Witz spielte, ohne auch nur einmal seinen Blick vom Publikum zu wenden...


Wir erlebten natürlich nicht nur jedes Instrument einzeln, sondern hörten das Orchester des Musikgymnasiums in wundervollem Zusammenspiel. Unbestritten war der Besuch in Shiroka Laka eines der Highlights der Reise ..

Durchs Programm führte der Dirigent des Orchesters, der gleichzeitig Musiklehrer in der Schule ist. Geduldig beantwortete er unsere Fragen, erklärte jedes einzelne Instrument und dirigierte das Orchester bescheiden aus dem Hintergrund des Saales...

Das die Jugendlichen nicht nur Musikinstrumente spielen, sondern auch hervorragend singen und tanzen können bewiesen sie mit ihrer Darbietung von Volkstänzen - für uns war der Besuch hier wirklich ein Fest für alle Sinne...

Am Abend verkosteten wir im kleinen Ort Belasthiza Weine des Weingutes Enira. Wunderbare Rotweine - leider war der Vertreter des Gutes bis heute nicht in der Lage unsere Bestellungen zu bearbeiten...

Der nächste Tag führte uns nach Bratsigovo, wo der Verein seit zwei Jahren versucht, eine Berufsausbildungsküche für Heimkinder als Soziales Unternehmen aufzubauen. Hier sind wir mit der Heimleiterin Nina Naydenova zu sehen, die sich über die neusanierte Fassade ihres Kinderheimes freut...

Voller Stolz führte Frau Naydenova uns durch ihr in den letzen Jahren völlig umgebautes Haus. Ein Großteil der Inneneinrichtung sei vor allem von lokalen Geschäftsleuten gespendet worden. Wir waren beeindruckt...

Birgit Ossenkamp, rühriges Mitglied des Vereins seit Jahren hatte wieder einmal eine Spende der Firma Henkel organisiert. Die konnten wir nun gemeinsam übergeben. Wasch- und Körperpflegemittel werden immer gebraucht...

Nach ausgiebig genossener Freizeit, besuchten wir die Privat-Galerie von Anastas Konstantinov, einem der derzeit wichtigsten und international bekanntesten bulgarischen Maler und Bildhauer. Nicht nur die Leuchtkraft der Bilder, sondern die Galerie als Gesamtkunstwerk machte uns Staunen...

Diese fast mystische Interpretation der Jungfrau Maria, weckte unsere Aufmerksamkeit. Wie Emilia, die Frau des Künstlers erzählte, hätte sie eines Morgens ihren Augen nicht getraut. Irgendetwas auf dem Bild sei anderes als sonst gewesen...

... Erst bei näherem Hinschauen habe sie entdeckt, dass unter dem linken Auge Tränenspuren zu erkennen waren. Bis heute können sich beide diesen Vorfall nicht erklären. Anastas hat die Spuren behutsam retuschiert, aber wer genau hinsischaut, kann sie immer noch sehen...

Natürlich war ein Gang auf die bulgarischen Märkte obligatorisch. Das Rot der verschiedenen Paprikasorten leuchtete in der Sonne ...

... und die Auberginen changierten in unglaublichen Lila-Tönen. Schade, das frisches bulgarisches Obst und Gemüse nur selten seinen Weg nach Deutschland findet...

Am letzten Tag ging es noch einmal in die Berge - hinauf zur trakischen Kultstätte Belintas, Ort der Handlung von Uwe Kolbes Kriminalroman "Der Tote von Belintas". Angeblich sollen hier geheimnisvolle Kräfte wirken und so mancher Bulgare kommt hierher, weil er heimlich hofft, von dem einen oder anderen Leiden geheilt zu werden...

Von oben hatte man einen wundervollen Blick über die Landschaft - auch auf den Erholungskomplex "Starata Kshta" - die "Alten Häuser". Der Komplex mit rustikalen Appartements und Zimmern wurde von einem Geschäftsmann erbaut, der sein Geld in den Wendewirren der neunziger Jahre mit diversen Tankstellen verdiente.

In dieser stilvollen Gasstätte trafen wir uns mit unserem Projekt-Team der Nationalen Allianz zurr Arbeit mit Freiwilligen - ein gemeinsames Essen als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit. Gleichzeitig erlebten wir, das berufliche Bildung wirklich Not tut. Das Personal bediente so schlecht wie das Essen schmeckte... Aber das war die Ausnahme auf dieser Reise, die uns allen lange in Erinnerung bleiben wird.






Rückblick auf die fünfte Vereinsreise - DA HABT IHR UNGLAUBLICHES…



…wenn es durch ihre Arbeit gelingt, auch nur einem einzigen dieser ‚Nullchancen‘-Kinder ein menschenwürdiges Zuhause und damit wenigstens ein paar Chancen und Voraussetzungen für ihr künftiges Leben zu geben, so hätte sich dieses Projekt einen Nobelpreis verdient…



Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielten wir für das Projekt „Rekonstruktion des Waisenhauses Maria Luisa“ einen ersten Preis, der von der ehemaligen EU-Kommissarin Monika Wulff-Matthies überreicht wurde.
Außerdem wurde das Projekt unter die 25 besten ehrenamtlichen Hilfsprojekte Deutschlands gewählt.