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Eine Holzwerkstatt für das Heim Maria Luisa

Ende Februar machte sich ein kleines Team unseres Vereins auf den Weg, um das nächste Projekt im Kinderheim "Maria Luisa" auf den Weg zu bringen - die Einrichtung einer Holzwerkstatt.  Mit diesem Projekt verfolgen wir das Ziel, den Jugendlichen Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung zu machen. Gleichzeitig sollte den Pädagogen die Möglichkeit gegeben werden, hier mit verhaltensauffälligen Jugendliche zui arbeiten und Schulverweigerer mit Hilfe von arbeitstherapeutischen Maßnahmen wieder ans Lernen heranzuführen.

ES GEHT LOS

Nach langer Vorbereitungsphase war es Mitte Februar soweit, dass wir konkrete Planungen treffen konnten. Möglich wurde das durch zahlreiche Spenden - vor allem der Kunden und Weihnachtspendenaktion der Ethik-Bank und der Stadt Hemmingen. Danken möchten wir aber auch der Organisation "femmes d'Europe", die das Projekt mitförderte. Eine Sache hielt uns völlig unvorhergesehen auf: In Bulgarien, einst ein Land von Holzbaumeistern und Schnitzkünstlern, wovon heute noch die wunderbaren Häuser der Wiedergeburtszeit zeugen,  waren keine vernünftigen Hobelbänke zu bekommen! Also mussten wir  Hobelbänke aus Deutschland besorgen. Die von uns ausgewählte Firma stellte die benötigten Hobelbänke innerhalb einer Woche her, dann genügte ein Anruf bei Peter Müller, Geschäftsführer der Firma Winterhalder Bulgaria, um die Hobelbänle bei der bayerischen Firma abzuholen und  nach Bulgarien zu schaffen. Alles zusammen dauerte nicht mehr als zwei Wochen - eine logistische Meisterleistung! 

Während dieser Zeit glühten die Telefondrähte zwischen Berlin, Sofia und Plovdiv. Dank des von uns angesprochenen Experten Andreas Tauer, einem Holzhandwerker und Holzbildhauer, wurde 14 Tage vor Beginn der Arbeiten eine endgültige Liste aller Materialien, Werkzeuge und Maschinen sowie aktuelle Preisvergleiche erstellt.  In Bulgarien waren Freunde unterwegs, die die Regale von Baumärkten fotografierten - zum einen, um zu sehen, ob wir vor Ort alles bekommen würden, zum anderen um die dortigen Preise mit den hiesigen zu vergleichen. Am Ende wurde Kontakt zu der Geschäftsführung der deutschen Baumarktkette Praktiker aufgenommen, die uns dann bei der Realisierung des Projektes hervorragend und unkompliziert unterstützte. Da wir dort aber nicht alle Maschinen und benötigte Kleinteile bekamen, half ein Anruf bei der österreichischen Baumarktkette baumax weiter, die uns in gleicher Weise unter die Arme griff. Beiden Unternehmen sei hier ein herzlicher Dank gesagt.

ARBEITEN BIS IN DIE NACHT

So war, als unser Team in Bulgarien eintraf, alles vorbereitet. Die bulgarische Firma "Astral" von Didsho Stilianov hatte die Räumlichkeiten vorbereitet, für Elektrik und Belüftung gesorgt. Die neuen Hobelbänke lagen verpackt im Raum, zwei Erzieher und Hausmeister Rangel standen bereit, um uns bei den Aufbauarbeiten zu unterstützen. Vorstandsmitglied Dora Stütz fungierte wie schon so oft als hervorragende Sprachmittlerin. Anderthalb Tage brauchte es, um den Großteil der Materialien und Maschinen zu besorgen. Dann wurde von früh acht Uhr bis in die Nacht hinein gearbeitet. Und immer wieder steckten die Kinder neugierig die Köpfe in die Werkstatt, um zu sehen, was da unten im Keller des Hauses II vor sich ging. Die Erzieher staunten nicht schlecht, als sie den Vorsitzenden des Vereins in Arbeitskleidung und mit Schleifmaschine sahen, wie er und Andreas Tauer einen alten schweren Tisch restaurierten, um ihn zu einer stabilen Werkbank für die Schraubstöcke umzufunktionieren. Viele erfuhren erst jetzt zum ersten Mal, dass Mirko Schwanitz, bevor er Journalist wurde, den Beruf eines Holztechnikers erlernt hatte. "Ein seltsames Gefühl", sagte Mirko Schwanitz . "Ich halte zum ersten Mal nach 30 Jahren wieder einen Hobel in der Hand. Aber es ist ein tolles gefühl." Als die Zeit knapp wurde, ließ es sich Ingenieur Robin Passig, mit dem unser Verein die Berufsbildungsküche in Bratsigovo aufbaute, nicht nehmen, sich abends um halb acht noch einmal die Arbeitskluft überzustreifen und mit Hand anzulegen. Selbst Peter Müller, der Chef von Winterhalder Bulgaria, schaute abends halb neun noch vorbei, um zu sehen wie die Arbeiten liefen.

ERÖFFNUNG UNTER REGER ANTEILNAHME DER MEDIEN

Am 2. März wurde die Holzwerkstatt dann unter unter reger Anteilname der Medien eröffnet. Zuvor hatten Dora Stütz, im Vorstand verantwortlich für das Patenschaftsprogramm, und  Vereinsvorsitzender Mirko Schwanitz eine halbe Stunde lang im Sender Darik-Radio das Projekt erläutert. Mit dem Ergebnis, dass vier bulgarische Firmen spontan ihre Bereitschaft erklärten, die Werkstatt mit dem Wichtigsten zu versorgen: Mit Holz! Und das - kostenlos! Wieder einmal, so berichteten später Zeitungen und Fernsehen, zeigten die deutschen Helfer, in welche Richtung die Reformen der Jugendfürsorge auch gehen müssten - in Richtung berufsorientierender Maßnahmen, da viele Jugendliche die Heime nach wie vor ohne Orientierung für ihr späteres Leben verlassen würden.... Sie stellten auch die Frage, warum solch richtungsweisenden Projekte nicht vom bulgarischen Staat oder den betreffenden Kommunen gefördert und unterstützt werden. Mit Spannung warte man nun darauf, ob die Kommune Plovdiv bereit ist, dem Heim einen Zuschuss zu den mit solchen Projektes verbundenen höheren Stromkosten zu zahlen. Die Heimleiterin, danach befragt, lächelte wissend....

 

 

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Dienstag: Nach dem wir den Montag von früh zehn Uhr bis abends sieben Uhr in den Baumärkten zugebracht hatten, begannen am Dienstagmorgen mit tatkräftiger Unterstützung von Erziehern und Hausmeister die Aufbauarbeiten in der Werkstatt

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Parallel zu Werkzeugschränken, die später Stechbeitel, Ersatzsägen und Erste Hilfe-Materialien aufnehmen sollten, wurde am selben Tag ein Teil der "Maschinenstrecke" aufgebaut. Zu der gehören neben einer Kreis- und Dekupiersäge auch ein Doppel-Winkel-Schleifer, eine Ständerbohrmaschine und ein Doppelschleifer zum Schärfen der Werkzeuge

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Natürlich wurden alle Maschinen von unserem Holzexperten Andreas Tauer auf Funktionsfähigkeit getestet. Für die Unterbringung und Aufhängung von Werkzeugen musste zudem so manche Idee gefunden, improvisiert und umgesetzt werden

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... dazu gehörten Lösungen wie diese zur Aufhängung der Stechbeitel ebenso wie die Halterung für die Hobel an der Wand. Dazu kamen viele Kleinigkeiten, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, zum Beispiel die Befestigung der Maschinen und deren Sicherung gegen Diebstahl

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MITTWOCH: So sieht man ihn selten - der Vereinsvorsitzende reinigt einen restaurierten Tisch vor dem Ölen der Oberfläche vom Schleifstaub. "Schau Dir das an" raunten sich einige Erzieher zu. "Merkt man doch gleich, dass das Deutsche sind......"

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Noch am selben Abend präsentierte sich dann der alte Arbeitstisch komplett abgeschliffen und neu gestrichen in neuem Look und in seiner neuen Funktion als Werkbank. Er setzt zudem einen freundlichen Farbakzent in der Werkstatt.

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Am Mittwoch abend, zwei Tage nach Beginn der Arbeiten, ist die Werkstatt weitgehend aufgebaut. Noch fehlen einige Maschinen und vor allem - das Holz. Die Beschaffung des wichtigsten Materials erwies sich komplizierter, als wir es uns zunächst vorgestellt hatten...

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So mancher hatte erwartet, wir würden auf chinesische Billigmaschinen setzen. Das aber hätte wahrscheinlich bedeutet, die Maschinen schon nach einem Jahr ersetzen zu müssen. Aus solchen Erwägungen heraus fiel die Wahl auf deutsche Maschinen.

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DONNERSTAG: Wieder einmal waren es deutsche Firmen, die uns halfen Holz zu beschaffen, vor allem das für Stich- und Laubsägearbeiten so wichtige Sperrholz, das in Bulgarien nicht zu bekommen ist. An diesem Tag begann die Musterproduktion, um Erziehern wie Kindern Möglichkeiten zu zeigen, was man alles machen kann...

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Freund und Helfer Robin Passig bewies seine Vorliebe für's liebe Federvieh - wenn auch in Holz. Die possierlichen Tierchen wurden dann auch zur Eröffnung ausgiebig bestaunt und sorgten für manche Heiterkeit. Aber genau dass soll die Holzwerkstatt ja auch - Spaß machen, Freude bereiten...

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Andreas Tauer hatte die Idee, die im Hof des Heimes stehende Dankesstele für Sponsoren zu adaptieren und sie als Kerzenständer zu präsentieren - in der Hoffnung, dass manchem ein Licht für neue Ideen aufgehe. Die Muster für die Stützen der Wandregale hängen für jeden sichtbar an der Wand. Ziel war es aber auch zu zeigen, dass man hier Dinge basteln kann, die man auf Basaren verkaufen kann - eine Einnahmequelle, mit der sich das Heim manch kleinen Wunsch erfüllen könnte - z.B. einen Kinobesuch oder einen Ausflug...

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Die letzten Vorbereitungsarbeiten sind fast abgeschlossen. Nun muss nur noch aufgeräumt werden

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Fertig. Das Vorbereitungsteam Andreas Tauer, Mirko Schwanitz, Dora Stütz und Robin Passig in der aufgeräumten und für die Übergabe präparierten Werkstatt.

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FREITAG: Unter reger Anteilnahme der Medien, vier Kamerateams und zahlreichen Zeitungsjournalisten wird die Werkstatt eröffnet

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Der Vereinsvorsitzende übergibt Heimleiterin Darina Kukeva die Schenkungsurkunde mit den Worten: "Jetzt ist es an Euch, etwas aus diesem Projekt für die Zukunft der euch anvertrauten Kinder zu machen...."