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BILD der FRAU: Paul hilft einem Waisenkind in Bulgarien
Ab jetzt spare ich jeden Cent, damit ich Emil einen Berg Kaugummis und ein schickes T-Shirt zu Weihnachten kaufen kann!" Viel Geld ist es nicht, was Paul (11) aus Erkner bei Berlin jeden Monat von seiner allein¬ erziehenden Mutter als Taschengeld bekommt. Paul: "Mal drei, mal vier Euro. Aber ich verzichte auf ein neues Gameboy¬ Spiel!" Der Junge hat näm¬lich einen Patenbruder in Bulgarien gefunden. Und Anfang Oktober hat er Bmil (13) zum ersten Mal im Kinderheim besucht.
Angefangen hat alles vor einem halben Jahr. Paul: "Mama hat einen Brief von einem Jungen mitgebracht, der sich ganz doll Paten¬eltern wünschte. Emil heißt er und ist aus Bulgarien. lch wußte gar nicht, wo das ist." Zum ersten Mal hörte Paul von dem Land in Osteuropa. Und davon, daß die meisten Menschen dort bitter arm sind. Viele können sich die Heizung im Winter nicht leisten.
Auch eine Salami für zehn Euro oder ein Kilo Schweine¬fleisch für fünf Euro sind unerschwinglich. Und weil viele Eltern nicht wissen, wie sie ihre Kinder durch¬bringen sollen, setzen sie sie aus - Endstation Heim. So ist auch Emil dort ge landet: Er bat fünf Ge¬schwister, alle Kinder hatten nur ein Bett. Oft gab's nichts zu essen. Vor sechs Jahren kamen sie dann ins Heim.
Als Paul die trauri¬ge Geschichte von Emil hört, ist er geschockt und sagt sofort: "Mama, laß uns Emil helfen!" Sie füllen einen Patenschaftsvertrag aus, zahlen 50 Euro für ein Jahr ein. Und sie planen in den Ferien einen Besuch bei Emil in Bulgarien. Anfang Oktober packt Paul seine Reisetasche, steckt einen Fußball ein ¬ als Geschenk für Emil, Drei Tage später steht er vor dem Tor des Kinder¬ heims "Königin Maria Luise" in Plovdiv. Das Haus ist verfallen, vor den Fenstern sind Gitter. Langsam geht Paul auf den Hof und steht wenig später vor Emil. Schüchtern reichen sich die beiden Jungen die Hände. Obwohl sie sich nicht verstehen können, jagen sie schon kurz darauf gemeinsam dem neuen Fußball hinterher.
Dann sieht Paul, wie arm Emil wirklich ist: "Kein Spielzeug, keine Er¬satzhose, keinen Pullover! Und bei mir stapeln sich die Sachen im Schrank."Als sich die beiden Jun¬ gen an diesem Nachmittag wieder voneinander ver¬abschieden, haben sie sich schon dick angefreundet. Paul: "Schade, daß ich nicht länger bei Emil blei¬ben konnte. Aber nächstes Jahr besuche ich ihn ganz bestimmt wieder. Und Weihnachten bekommt er ein großes Paket von mir!"
JANA SCHÜTZE
© BILD der FRAU 05.11.2004






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