Pressemitteilunge und -berichte
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Die Kinderaggrression ist ein großes Problem, das in vollem Gange ist

Interview mit Svetoslav Spasov, Mitglied der Kommission für Fragen der Kinder, der Jugend und des Sports in Bulgarien

erschienen in der Zeitung "Maritsa" (Plovdiv) am 21.04.2009

Herr Spasov, was für Maßnahmen sollten nach Ihrer Meinung getroffen werden, damit Morde unter Jugendlichen, wie zuletzt in Varna und Pernik geschehen, nicht mehr vorkommen?

Für mich ist die Kinderaggression das größte Problem, das wir in den letzten Jahren haben. Wir sehen, dass in Deutschland und den USA sogar Massenmorde druch Jugendliche begangen werden. In diesen Ländern laufen sogar Diskussionen darüber, ob der Einfluss von Computerspielen eingeschränkt werden soll, die den Kindern Gewalt anerziehen . Tatsächlich glaube ich, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Vorgängen und der in Filmen oder im Internet allgegenwärtigen Gewalt, die teilweise als gezielte Verbreitung von Mordlust angesehen werden muss. Bereits in den Schulen kopieren die Kinder in ihrem Spiel das, was sie wahrnehmen. Die Schuld ist sowohl bei der jeweiligen regierenden politischen Klasse, die bestimmte Gesetze verabschiedet oder ablehnt, als auch in der Schule, ihrer Umgebung und in den Familie selbst zu suchen. Es ist bezeichnend, dass die Europäische Kommission allein mehr als 50 Millionen Euro für die Prävention vor  Gefahren einsetzen will, die uns aus dem Internet drohen. Mein Vorschlag diesbezüglich war es,  bei uns die Institution eines Kinder-Ombudsmannes zu schaffen. Eine Insitution, wie sie in 27 anderen europäischen Staaten seit  25 Jahren besteht.  Zum ersten Mal wurde sie in Norwegen vor 25 Jahren geschaffen. Leider hat unser Parlament den von mir eingebrachten Gesetzentwurf  in den beiden führenden Kommissionen abgelehnt.

Zweimal habe ich im Plenarsaal versucht, das Projekt als Punkt  auf die Tagesordnung zu setzen, damit es zumindest in erster Lesung besprochen wird. Und obwohl der Ministerpräsident Sergey Stanischev eine Sonderkommission für die mit Kindern verbundenen Probleme gegründet hat und trotz Empfehlungen von Seiten des Präsidenten, hat sich die regierende Mehrheit der Dreier-Koalition absolut keine Mühe gegegeben. Sie lehnte damit einen Gesetzesentwurf ab, der in ähnlicher Form vom irischen Parlament  angenommen wurde. Als Vorsitzender der Kommission für Fragen der Kinder, der Jugend und des Sports hatte ich mir zuvor in Irland ein Bild darüber gemacht wie die Institution eines Kinderombudsmannes funktioniert. Dort gibt es auch einen Sonderaussschuss , der den Kinderombudsmann unterstützt und eine Insititution darstellt, die die Bemühungen aller staatlichen, kommunalen Einrichtungen samt den NGOs vereint. Ihre Tätigkeit bezieht sich auf den Schutz der Kinderrechte und damit auf die Schaffung von Bedingungen zur Prävention der Gewalt von Kindern gegenüber Kindern. Egal wann die Gewalt auftritt, ob im Alter von  13-14 Jahren oder mit 15,  wie im Fall der Morde in Plovdiv und den zwei, drei Fällen in Pernik oder später - immer haben sich die Probleme schon vorher, meist in der Pubertät eingenistet.

Könnten in ähnlichen Situationen Maßnahmen getroffen werden, kann kurzfristig etwas getan werden, um derartigen Zwischenfällen vorzubeugen?

In den meister der Fälle hatten wir es mit Kindern zu tun, die sich in sich selbst verschlossen und isoliert haben. Auch Kinder, die z.B. Gewalt gegenüber Haustieren ausübten waren darunter. Bei einigen trat diese Neigung bereits mit 4-5 Jahren auf. Wenn aber die  Eltern den Kindern nicht erklären können, dass dies kein akzeptables Verhalten ist, oder wenn die Eltern dem Kind erst gar keine Aufmerksamkeit schenken, dann vertiefen sich die Dinge. Oft kommen die in den Kindern angestauten Aggressionen auf serh verschiedene Weise zum Ausdruck. Und unser Staat hat furchtbar wenig getan, um hier Hilfen zu schaffen. In Westeuropa und in den USA hat man Zentren gegründet, die junge Eltern unterstützen, denn 87 Prozent der Gewalt gegenüber Kindern erfolgt in der Familie . Und zwar durch junge Menschen, die auf ihrer Rolle als Eltern nicht vorbereitet sind oder vorbereitet wurden. Diese Zentren sind u.a. da, um die werdenden Eltern vor der Geburt des Kindes zu begleiten und ihnen nach der Geburt beizubringen, wie sie sich um das Kind sorgen sollten, was für Gefahren bestehen usw. In manchen Ländern erhalten Eltern, die keine entsprechenden Schulungen in diesen Zentren durchlaufen haben kein Kindergeld. In dieser Richtung hat unser Staat noch vieles zu tun. Es müssen auch verschiedene ausserschulische Aktivitäten mit interaktiven Spielen organisert werden, die die Teamfähigkeit der Kinder fördern. Nicht von ungefähr sind im Westen sogenannte Boy-Scouts-Bewegungen verbreitet, die den Kindern beibringen, einander behilflich zu sein und nicht isoliert zu bleiben. In vielen westeuropäischen Ländern wird es gefördert, dass nach dem Schultag etwa um 17 -18 Uhr die Schule als eine freie Zone fungiert, wo man an Sportaktivitäten wie Fußball, Handball u ä. teilnehmen kann. Die Außen-Schul-Sportplätze oder Schulsporthallen werden kostenlos zur Verfügung gestellt. In den letzten 20 Jahren hat Daniel Valchev als einziger Bildungsminister etwas in dieser Richtung getan, indem er aus dem Ministeriumhaushalt Mittel für die Entwicklung des Schulsports bereitgestellt hat. Es müssen Programme erarbeitet werden, nach denen die Schulen zu einer geeigneten Umgebung für solche sportlichen Aktivitäten wird.

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"BULGARISCHER MINISTERRAT UNTERSTÜTZT ZUHÄLTEREI UND PROSTITUTION"

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Wäre es nicht gut, wenn ein Alkoholverbot für junge Leute eingeführt würde?


Die jungen Leute stehen nicht nur unter Einfluss von Alkohol, sie Kommen auch in Kontakt mit Drogen. Aber gerade über dieses Problem wird in Bulgarien kaum gesprochen. Als Vorsitzender der Kommission für Kinder, Jugend und Sport, erhielt ich viele Signale von Eltern, die von ihren eigenen Kindern erpresst wurden, damit diese sich Drogen kaufen konnten. Gerade solche Zentren, von denen ich sprach, dienen dazu, genau solchen Eltern Hilfe anzubieten. Oft wollen sie nichts über ihrer Probleme mitteilen, wollen nicht, dass Nachbarn, Freunde und Verwandte etwas über ihrer Probleme erfahren. Für viele Eltern ist es noch immer  peinlich zu zuzugeben, dass sie von ihren eigenen Kinder beraubt und erpresst werden. Die Eltern wenden sich nicht an die sogenannten " Pädagogischen Kinderkabinett", weil sie wissen, dass ihnen dann vielleicht das Sorgerecht entzogen wird oder sie völlig den Kontakt zum Kind verlieren. Aber kein Elternteil will, dass seine Kinder zu Verbrechern werden. Sie brauchen Zentren, an die sie sich wenden können.
Nun zum Alkohol: Das Verbot liegt doch vor. Bis sie 18 Jahre alt sind, dürfen Jugendliche keinen Alkohol geniessen. Bei den letzten Änderungen im Gesetz über Kinderschutz habe ich vorgeschlagen, dass die Kinder bis 18 Jahre keine Disko besuchen dürfen und dass den Disko-Besitzern hohe Sanktionen im Falle eines Verstoßes auferlegt werden sollen, ihnen im wiederholten Fall die Lizenz entzogen und ihr Lokal geschlossen wird. Aber die regierende Mehrheit und der Ministerrat haben gerade diese Lokale unterstützt, die sich im übrigen auch mit Prostitution beschäftigen. Der Ministerrat hat sogar vorgeschlagen Dritte als Begleiter von Jugendlichen unter 18 Jahren zu befugen. Durch diese Position beschützt der Ministerrat direkt die Zuhälter und die Verbreitung der Prostitution.

(Interview: Agentur FOKUS)

 

© Maritza Plovdiv 21.04.2009