
Pressemitteilunge und -berichte
Wie ein deutscher Verein in Bulgarien hilft
Von Rena Lehmann
Kahle Wände, kein Spielzeug, eine Toilette für ein Dutzend Kinder – Ein Berliner Journalist ergriff die Initiative
BERLIN/PLOVDIV. Als der Berliner Journalist Mirko Schwanitz Anfang der 90er- Jahre zum ersten Mal ein bulgarisches Kinderheim in Plovdiv besuchte, ließen ihn die Bilder nicht mehr los: Bilder von Kindern, die in Räumen mit undichten Wänden und verschimmelten Tapeten lebten, eine Toilette für ein Dutzend Jungen und Mädchen, keinerlei psychologische Betreuung, obwohl viele in ihrem jungen Leben schon Schlimmes erlebt hatten. Damals stand aber vor allem das Elend der rumänischen Heime im Fokus der deutschen Medien.
Der Journalist beschloss, in Bulgarien zu helfen und gründete mit weiteren Kollegen den Verein zur Förderung bulgarischer Kinderheime. Den schwierigen bürokratischen und organisatorischen Gegebenheiten zum Trotz gelang es, die alten Räume abzureißen und mit Spendengeldern aus Deutschland das Heim „Maria Luisa“ in Plovdiv neu aufzubauen. Es ist heute zu einem Vorzeigeobjekt Bulgariens geworden.
Die Kinder leben in hellen Räumen mit einladenden Betten. Jedes hat seinen eigenen Schrank, jede Wohngruppe einen Aufenthaltsraum zum Spielen und Basteln. Doch die strukturellen Probleme sind geblieben: Die Kinder dürfen nur in den Heimen bleiben, bis sie 18 Jahre alt sind. Danach sind sie auf sich gestellt. Die Chancen für sie, einen Ausbildungsplatz zu bekommen und ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, stehen schlecht, denn die Arbeitslosigkeit ist trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren noch hoch.
Mirko Schwanitz’ Verein setzte sich das nächste Ziel: Die Ausbildung sollte schon während des Heimaufenthalts ermöglicht werden. So entstand die Idee, eine Berufsausbildungsküche einzurichten. Auf der einen Seite würde man die Ernährung der Kinder verbessern, auf der anderen Seite könnten interessierte junge Heimbewohner dort das Handwerk des Kochens und der Gastronomie erlernen. Zwei Jahre dauerte es, bis genug Spenden gesammeltwurden und die Küche gebaut werden konnte – in einem Heim in der Nähe von Plovdiv, in Bratsigovo.
Schwanitz erhofft sich für die Zukunft allerdings noch mehr Effekte von der neuen Küche. Wenn dort täglich mehrere Hundert Essen zubereitet werden, sollten auch andere Einrichtungen damit beliefert werden. Möglicherweise könnte dies zu einer Einnahmequelle für das Heim werden – und am Ende profitierten auch davon die Kinder.
Quelle: Rheinzeitung 19.11. 2009
© Rheinzeitung 19.11.2009






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