Das Patenschaftsprogramm und seine Projekte
Das Patenschaftsprogramm und seine Projekte

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Die Situation

Viele Kinder im Waisenhaus „Maria Luisa” haben starke traumatische Erlebnisse. Eine kontinuierliche psychologische Behandlung ist im Erziehungsprogramm der bulgarischen Kinderheime nicht vorgesehen.

Nach wie vor hat die Mehrheit der Erzieher keinen sozialpädagogischen Abschluss. Viele sind ehemalige Fachlehrer, viele nur Hilfskräfte ohne jegliche Ausbildung. Sie haben keine speziellen Kenntnisse, die ihnen therapeutisches Handeln ermöglicht. So sind die Kinder auf das Einfühlungsvermögen ihrer Erzieher angewiesen. Meist jedoch müssen sie mit ihren Traumata allein fertig werden.

Erfahrungen zeigen, wie sehr sich die Kinder nach Liebe und Zuneigung sehnen, nach Freunden und Vorbildern. Nach Menschen also, an die sie sich jeder Zeit mit ihren Problemen, Sorgen und Ängsten wenden können. Menschen, die den Kindern zeigen, dass sie geliebt werden oder dass einfach nur jemand da ist, der an sie denkt, ihren Lebensweg mit lenkt und hilft, ihre derzeitige Lebenssituation konkret zu verbessern

Pate oder Patin sein – was heißt das?

Seit mehreren Jahren kümmern sich bereits zahlreiche Patinnen und Paten um einzelne Kinder. Insgesamt bestehen allein im Heim „Maria Luisa“ über 65 Patenschaften. Unser Ziel ist es, jedem Kind in einem der von uns betreuten Kinderheime einen Paten oder eine Patenfamilie „zu schenken“.

Foto Krasimira schreibt Brief an ihre deutschen Paten

Briefkontakte:

Unsere Paten unterhalten seit vielen Jahren einen regen Briefkontakt mit ihren Patenkindern oder deren Erziehern. In den Briefen erzählen die Kinder über ihren Alltag und ihre Sorgen. Die Paten wiederum spenden von Ferne Rat und Trost. Diese Form der Kommunikation hat sich nach anfänglicher Skepsis als starke psychologische Hilfe für die Kinder erwiesen und ist zugleich eine sinnvolle Ergänzung der Arbeit der Betreuer. Zur Pflege dieser Kontakte hat der Verein in den Heimen spielerische Deutschkurse eingeführt — gemeinsam mit der Lehrerin werden die Briefe übersetzt und beantwortet. Das heißt, jeder Pate erhält sowohl die bulgarische Originalfassung des Briefes, als auch die deutsche Übersetzung.

Probleme:

In den letzen Jahren hat sich in den Heimen die Anzahl der aus der Roma-Minderheit stammenden Kinder- und Jugendlichen enorm erhöht. Allein die Zahlen im Heim „Maria Luisa“ sprechen eine deutliche Sprache — und sie stehen für die Entwicklung in allen Heimen des Landes! Waren es 1997 noch 70 Prozent bulgarische und 30 Prozent Roma-Kinder, hat sich dieses Verhältnis heute umgekehrt. Leider hat die Mehrheit der in die Heime eingewiesenen Roma-Kinder enorme schulische Probleme, viele sind Quasi-Analphabeten, die nur unzureichend lesen und schreiben können. Dessen müssen sich die Paten bewusst sein.

Diesen Kindern bedeutet es unglaublich viel, Post zu erhalten und die Briefe vorgelesen zu bekommen, sie sind aber nur selten im Stande, selbst Antworten zu formulieren. Ausgehend von unseren bisherigen Erfahrungen, schlagen wir den Paten und Patinnen dieser Kinder Projektpatenschaften vor, mit denen den Roma-Kindern eigene und ihrer Kultur gemäße Talente und Fähigkeiten gefördert werden. Dazu gehört vor allem ein sportlich- künstlerische Förderung, Schulnachhilfe und insbesondere eine berufliche Ausbildung, die es den Jugendlichen ermöglicht, nach Verlassen der Heime nicht zurückkehren zu müssen in den verzeifelten Kreislauf von Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Armut, Gewalt und Prostitution, der für viele den Alltag in den Roma-Ghettos bestimmt. Die Förderung dieser Kinder und Jugendlichen setzt daher verstärkt auf Projektpatenschaften.

Foto Renate Quaschinski aus Berlin besucht Mira

Projektpatenschaften:

Jeder neue Pate erklärt sich bereit, mit Abschluss des Patenschaftvertrages einen jährlichen Patenschaftsbeitrag von 120 Euro zu zahlen / monatlich 10 Euro. Dieses Geld fließt nicht auf das allgemeine Spendenkonto des Vereins, sondern auf ein spezielles Patenschaftskonto. Dieses dient ausschließlich der Finanzierung von Projekten, die direkt und unmittelbar den Kindern zu Gute kommen. Auf diese Weise finanzieren die Paten bereits heute große Teile des sozialen Lebens im Heim.

Dazu gehören u.a.

  • Kinderferienlager
  • Weihnachtsfeiern / Weihnachtsgeschenke
  • Festkleidung zu den Schulabschlussbällen
  • Theaterbesuche
  • Mitgliedschaftsbeiträge in Sportvereinen
  • Sanierung des Speisesaales
  • Kunstprojekte wie die künstlerische Gestaltung von der Mauer
  • Errichtung eines Spiel- und Sportplatzes
  • Berufsausbildungsprojekte
  • Gruppenbudgets, über deren Verwendung die Kinder selbst entscheiden können
  • Praktika in Deutschland
  • Talentförderung
  • kleinere Reparaturen in den Wohnhäusern
  • Einrichtung eines Sport- und Fitnessraumes
  • Internetanschluss
Unsere Patenschaftsbeauftragte Dora Stütz freut sich auf Ihre Anfragen!